Völlig überraschend ist Michael A.Roth auf einer Pressekonferenz am gestrigen Dienstag als Präsident des Bundesliga-Aufsteigers 1.FC Nürnberg zurückgetreten.Als Gründe nannte der 73jährige,mit dem soeben realisierten Aufstieg das selbst vorgegebene Ziel erreicht zu haben und sich nun verstärkt um sein Privatleben und die Arbeit in seiner Textilfirma kümmern zu wollen.Ausserdem solle der Verein mit einem hauptamtlichen Vorstand und einem ehrenamtlichen Aufsichtsrat umstrukturiert werden.Zunächst werden die Amtsgeschäfte von Vize-Präsident Franz Schäfer kommisarisch weitergeführt,der sichtlich erschüttert dem scheidenden Präsidenten für seine mit "Worten nicht zu beschreibenden Verdienste" um den Verein dankte.
Mit dem egozentrischen Michael A. Roth verliert die Liga eine ihrer schillernsten Persönlichkeiten.Bereits von 1979-1983 leitete er die Geschicke des fränkischen Traditionsclubs.Als er 1994 seine zweite Amtszeit antrat,war der "Club" faktisch pleite.Mit den Schulden war es beim FCN seinerzeit wie mit der Hydra,jener lernäischen Schlange aus der griechischen Mythologie:Schlägt man ihr einen Kopf ab,wachsen zwei neue nach!Roth rettete den Verein mit einem tiefen Griff in seine Privatschatulle und war auch in der Folgezeit immer dann zur Stelle,wenn neues finanzielles Ungemach drohte.Ansonsten war Roth für einen überdimensionalen Trainerverschleiss sowie bisweilen rustikalen "Humor" bekannt.So wollte er seine Spieler nach einer derben Niederlage "erschiessen".Kurz zuvor entliess er den damaligen Manager Edgar Geenen,weil er die gleichen Protagonisten wie "Pest und Lepra"titulierte!
Fast untergegangen durch diesen Knallbonbon ist die Meldung,dass Manager Martin Bader seinen Vertrag vorzeitig um zwei Jahre bis 2012 verlängert hat.Bader ist seit 1.1.2004 in Nürnberg und durfte im gleichen Jahr unter dem damaligen Trainer Wolfgang Wolf den BL-Aufstieg feiern.Sein grösster Coup war die Verplichtung vom Trainerdenkmal Hans Meyer,der den Verein 2006 vom letzten Tabellenplatz aus zunächst rettete und im Folgejahr mit dem Pokalsieg den grössten Erfolg in der Club-Historie feierte.
Als in der abgelaufenen Zweitliga-Saison der damalige Coach Thomas von Heesen bereits am 2.Spieltag die Brocken hinschmiss,forderten viele auch Baders Kopf.Der durfte jedoch bleiben und beförderte den damaligen Co-Trainer Michael Oenning zum Chefcoach.Eine ebenso mutige wie letztlich goldene Massnahme,denn mit diesem gelang bekanntermassen trotz zwischenzeitlicher Turbulenzen der Aufstieg in der Relegation.
Mit dem Mittelfeldspieler Thomas Broich vom 1.FC Köln haben die Nürnberger ihre erste echte Neuverpflichtung vermeldet,nachdem der ausgeliehene Angelos Charisteas von Leverkusen zurückkehrt ist und 3 Jugendspieler zum Lizenzspielerbereich stiessen.Weitere Verstärkungen sind laut Sportchef Bader nur geplant,wenn sich punktueller Bedarf ergeben sollte.Ansonsten vertraut man im Wesentlichem jenem Kader,der durch beeindruckende Leistungen gerade in der Relegation gegen Cottbus den Sprung in die Bundesliga schaffte.





