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(2) Guidos Guide: Spätes Sportstudio

31. August 2010 / joe

Hier geht’s zur ersten Ausgabe.

Guidos Guide ist die neue Fußball-Kolumne der Wettbasis. Jeden Dienstag geht es um den letzten Bundesliga-Spieltag, den internationalen Fußball, sowie um aktuelle Stammtischthemen, die sich mit dem Lederball beschäftigen. Und natürlich Guidos Meinung.

Grundsätzlich ist der allgemeine Fußballfan – wahrscheinlich sogar der allgemeine Mensch – dazu veranlagt, wenn ihm der Ausgang eines Wettkampfes, eines Fußballspiels oder sonst eines Vergleiches eigentlich egal ist, zu dem Underdog oder dem vermeintlich Benachteiligten zu halten.
Das sind zwar meistens nur unterbewusste Sympathiebekundungen und doch muss ich sagen, dass die ersten beiden Spieltage diesbezüglich aus meiner Sicht ganz angenehm verlaufen sind. Die meisten werden die zahlreichen Favoritenstürze vermutlich ärgern, doch letztlich macht genau das die Bundesliga zu einer besondere Liga. EIne Liga, in der es einen gesunden Konkurrenzkampf gibt und eben nicht von vorne rein klar ist, dass maximal zwei Mannschaften Meister werden können. Langsam – und in der Länderspielpause sollte man darüber nachdenken – müssen wir uns die vermeintlichen Favoirten genauer anschauen. Denn es drängt sich eine Frage auf: Wie viele Favoriten dürfen verlieren, damit sie Favoriten bleiben?
Als ich mir diese Fragestellung durch den Kopf gehen ließ, klingelte mein Handy. Natürlich, Sonntagabend, es konnte nur einer sein: Guido.
"Es geht aufwärts mein Freund, es geht aufwärts", begann Guido das Gespräch in lauter Euphorie.
"Immer mit der Ruhe", antwortete ich, "du warst doch nie in einem Tief, oder sehe ich das falsch?"
"Nie in einem Tief?", ich hörte, wie Guido seufzend zur Seite schaute, wahrscheinlich mit der freien Hand seinen Nacken rieb und schließlich gelöst und leicht lächelnd sagte: "Es war keins von diesen tiefen Tiefs, diesen Lebenstiefs, sondern eher ein temporäres Tief."
"Ein temporäres Tief?"
"Ja, wenn du lange geradeaus fährst – und das ist nunmal mein Job – dann denkst du nach, und wenn du in der Tipprunde mit den Kollegen zu den Letzten gehörst, dann gibts es da nicht viel zu denken…"
"Sondern?", unterbrach ich ihn.
"Analyse. Analyse ist das Stichwort. Die Favoriten haben sich noch nicht gefangen. Ich hatte eine Woche Zeit, um zu analysieren."
"Interessant, meine Tipps kommen eher aus dem Bauch heraus. Was ist den bei dir herausgekommen?" Auf diese Frage hatte Guido das Gespräch zugespitzt.
"Spieltagssieg!", tönnte es laut aus meinem Handy. "Ich dachte erst, der Mist würde genauso anfangen, wie letzte Woche, als die Bayern verloren hatten, aber ich hatte auf Bremen mit zwei Toren Unterschied, auf Hamburg und die Ergebnisse von Hoffenheim und Freiburg habe ich genau getroffen. Dazu kommen noch die Dortmunder."
"Klingt wirklich nicht schlecht", sagte ich und dachte mir, dass seine Kollegen entweder sehr wenige waren oder mit wenig Kentnissen ausgestattet waren, denn 5 von 9 war nicht die Quote, die ich mir von einem Spieltagssieger erwartet hatte.

Nachdem wir den Spieltag ergebnistechnisch endlich hinter uns gelassen hatten, kam ein anderes Thema in Guido hoch. Wir sprachen ursprünglich über die deutsche Wirtschaft, weil bei Guidos Arbeitgeber die Löhne nicht sonderlich hoch seien und der Aufschwung scheinbar noch nicht angekommen war.
"Der Fußball mag zwar seine eigenen Gesetze haben, aber in manchen Dingen kann man Parallelen ziehen. Guck dir die Schalker an. Der Magath hatte nur ein Ziel – und nachdem er es erreicht hatte, hat er es in jeder Pressekonferenz breit getreten: Den durchschnittlichen Lohn der Spieler zu senken. Und was ist passiert? Es fehlt an Qualität. Natürlich kassieren die alle genug, doch was ich sagen will ist, dass wer die Kosten minimiert auch mit Qualitäteinbußen zu rechnen hat. Ob das nun Hans Sarpai für Rafinha oder Escudero für Westermann ist, am Ende ist es dasselbe wie beim Unternehmen vor deiner Haustür: Billig in China eingekauft, und die Finger verbannt."
"Da schwingst du aber die Pauschalisierungs-Keule!", bremste ich Guidos Elan.
"Du weißt schon, wie ich das meine. Hab halt den Eindruck, dass die Leute blind Dinge durchboxen, ohne die Kosequenzen zu beachten." antwortete Guido besonnen.
"Im Grunde genommen ja. Aber so wirklich weiß ich noch nicht was du meinst.", musste ich zugeben.

Wir wechselten noch ein Mal das Thema, bevor sich das Gespräch im Smalltalk verlief. Als wir fertig waren und aufgelegt hatten, lehnte ich mich zurück und dachte noch ein wenig über meine Frage mit den Favoriten nach. Währendessen blätterte ich in der Fernsehzeitung und laß Folgendes: "Aktuelles Sportstudio, 23 Uhr" Ein Blick aufs Datum, zeigte mir, dass ich die neue Zeitung in der Hand hatte, und dass es sich um das Programm vom 11. September drehte.

Ich fand kein "Wetten, dass?", keinen Boxkampf oder sonst eine Rechfertigung.

"So spät?!", dachte ich.

Jetzt war mir klar, was Guido gemeint hatte.




Freitagsspiel am 2. Spieltag: 1. FC Kaiserslautern – FC Bayern München

26. August 2010 / joe

Am Freitag, den 27. August 2010, eröffnen der 1. FC Kaiserslautern und der FC Bayern München den zweiten Spieltag der neuen Bundesligasaison. Besonders in so einer frühen Phase der Saison geht das Spiel als Klassiker. Die ersten Gedanken, die einem in den Sinn kommen, wenn man über diese Begegnung nachdenkt, beziehen sich vermutlich alle auf die Saison 97/98. Wie auch heute waren die Pfälzer damals aus der zweiten Liga aufgestiegen und mussten in der frühen Phase der Saison – damals am ersten Spieltag – gegen die Bayern spielen. Zusätzliche Brisanz hatte das Spiel, weil Otto Rehhagel mit Kaiserslautern aufgestiegen war, nachdem er bei den Bayern rausgeworfen worden war. In einem wirklich historischen Spiel gewann Kaiserslautern auswärts bei den Bayern mit 1:0. Das Bild des Otto Rehhagel wie er jubelnd durch das Olympiastadion läuft und den Auftaktsieg feiert als hätte er soeben die Deutsche Meisterschaft gewonnen ist wohl jedem im Gedächtnis geblieben. In dieser Saison schaffte es Otto Rehhagel mit Kaiserslautern sofort nach dem Aufstieg die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen. Am vorletzten Spieltag waren die Pfälzer durch ein 4:0 über den VfL Wolfsburg schon nicht mehr einzuholen.
Kaiserslautern wird in dieser Saison mit Sicherheit nicht Deutscher Meister, auch hat Marco Kurz noch nie beim Rekordmeister gearbeitet und doch schwingt in diesem Spiel etwas mehr Brisanz als sonst mit. Eine Sensation wäre es zumindest, sollten die Pfälzer gegen den FC Bayern München gewinnen.
Anstoß der Begegnung ist um 20:30 Uhr.

1. FC Kaiserslautern:
Besser hätte es für die Mannschaft von Trainer Marco Kurz nicht laufen können. Wenn man beim Saisonauftakt auswärts gegen einen direkten Konkurrenten gewinnt, dann kann das getrost als optimal bezeichnet werden. Der Auswärtssieg beim 1. FC Köln (3:1) hat die Pfälzer zudem aus einer misslichen Lage befreit. Denn wenn man mit leeren Händen aus Köln zurückgekommen wäre, und am zweiten Spieltag eine Niederlage gegen den amtierenden Deutschen Meister aus München einkalkuliert hätte, dann hätte man am dritten Spieltag in Mainz schon enorm unter Druck gestanden, um einen Fehlstart zu vermeiden. Doch nun ist es besser gelaufen für die Pfälzer. Die drei Punkte aus Köln geben der Mannschaft die Bestätigung in der Liga angekommen zu sein und mithalten zu können. Wahrscheinlich ist der psychologische Effekt deutlich wertvoller als die drei Zähler auf dem Punktekonto.
Doch Marco Kurz wird wissen, dass der Auswärtssieg in Köln zwar enorm positiv ist, doch das insbesondere spielerisch diese Leistung nicht das Gelbe vom Ei sein kann. Denn wer das Spiel zwischen Kaiserslautern und Köln am ersten Spieltag über 90 min verfolgt hat, der weiß, dass der Volksmund es wahrscheinlich mit "Not gegen Elend" tituliert hätte. Auch wird es einem nicht jeder Gegner schon nach 82 Sekunden durch einen Platzverweis so leicht machen wie die Domstädter. Außerdem sollten weitere eklatante Torwartfehler im Saisonverlauf tunlichst vermieden werden. Ein perfekter Start also – mit Schattenseiten.
Da der ganz große Druck zunächst weg ist, können die Pfälzer gegen den Rekordmeister vor heimischer Kulisse recht befreit aufspielen. Das Publikum wird eigentlich nur Einsatz und Kampf fordern. Die typischen Tugenden des Abstiegskampfes. Vor ausverkauften Haus wird Marco Kurz eine extrem motivierte Mannschaft auf den Platz schicken können.

FC Bayern München:
Wenn man nach der ersten Halbzeit zwischen Bayern und Wolfsburg den Fernseher verlassen hatte, um zur zweiten Halbzeit etwas zu spät zurück kam, traute man seinen Augen kaum: Wolfsburg hatte ausgeglichen! Im ersten Durchgang hatten die Bayern noch überhaupt keine Probleme mit dem schwachen Wolfsburger Offensiv-Spiel, doch mit der Hereinnahme von Misimovic gelang es den Niedersachsen mit mehr Gefahr vor das Münchner Tor zu kommen. Nach einer Unsicherheit von Butt erzielte der Wolfsburger Stürmerstar Edin Dzeko nach der folgenden Ecke – getreten von Misimovic – den Ausgleich. Zwar durchaus verdient aber dann doch mit einer gehörigen Portion Glück rettete Bastian Schweinsteiger in der nach Spielzeit den Saisonauftakt der Mannschaft von Louis van Gaal (2:1).
Mit diesem Auftaktsieg stehen die Bayern kurioserweise jetzt schon besser da als am dritten Spieltag der letzten Saison. Im ersten Jahr von Louis van Gaal erlebte man mit einem Unentschieden in Hoffenheim und gegen Bremen, sowie einer Niederlage in Mainz alles andere als einen guten Auftakt. Es brauchte bis zum vierten Spieltag bis die Bayern ihren ersten Sieg landeten – 3:0 gegen Wolfsburg. In dieser Spielzeit scheint es also deutlich besser zu laufen für den Rekordmeister: das kann man schon nach dem ersten Spieltag sagen. Mit einem Sieg in Kaiserslautern kann man sich von Beginn an in der Spitzengruppe etablieren. Eine ruhige und unkomplizierte Bundesligasaison wird für den Deutschen Meister von enormer Relevanz sein, denn nicht nur im Pokal sondern viel mehr in der Champions League werden die Münchner gefordert sein. Durch den Ausfall von Leistungsträgern wie Arijen Robben und (kurzfristig auch) Ivica Olic wird das Tanzen auf drei verschiedenen Hochzeiten den Kader stark belasten. Man kann es sich also nicht erlauben schlechthin die Saison zu starten.
Personell hat Trainer Louis van Gaal mit Martin Demichelis ein neues Problem. Der Argentinier zeigt sich nach seiner Degradierung zum dritten Innenverteidiger jugendlich bockig und versucht eine Trennung zu provozieren. Beim Saisonauftakt stand der Argentinien nicht im Kader. Vermutlich wird sich das gegen Kaiserslautern nicht ändern. Auch in der Offensive bleiben Louis van Gaal aufgrund von oben genannten Ausfällen nicht viele Möglichkeiten. Allein in der Spitze ist er mit Miroslav Klose und Mario Gomez momentan gut besetzt.
Trotz kleineren negativen Impulsen, die die Favoritenrolle der Bayern gegen Kaiserslautern etwas mindern, darf es für den Rekordmeister nur ein Resultat geben: Einen Auswärtssieg!

Head to Head:
Wer sagt, dass die letzten Vergleiche der beiden Mannschaften nicht besonders aussagekräftig sind, hat nicht ganz unrecht. Es ist durchaus richtig, dass die meisten Begegnungen schon lange zurückliegen. Und doch bleibt zu bemerken das Kaiserslautern in diesem Jahrtausend noch nie gegen die Bayern gewonnen hat. So endeten neun der letzten 10 Aufeinandertreffen mit einem Sieg der Süddeutschen. Der letzte Punktgewinnen der Pfälzer datiert aus dem Jahre 2002.

Fazit:
Auch wenn sich Geschichte manchmal wiederholt, ist ein Sieg der Pfälzer über die Bayern momentan sehr unwahrscheinlich. Es stimmt, dass die Bayern nicht mit der Erfolgs-Elf aus dem letzten Jahr antreten. Es stimmt, dass die Bayern am ersten Spieltag nicht überzeugen konnten und nur mit viel Glück gewannen. Allerdings bleiben die Bayern die Bayern sind in diesem Spiel der haushohe Favorit. Selbst ein Unentschieden wäre eine Überraschung. Denn auf dem Weg zu einer weiteren deutschen Meisterschaft darf man sich nun mal nicht von einem Aufsteiger bremsen lassen. Da kann die Geschichte so verlaufen sein wie sie will!

Quoten:
1. FC Kaiserslautern: 6,75 @ expekt
Unentschieden: 4,25 @ betsafe
FC Bayern München: 1,50 @ betsson




(1) Guidos Guide: Aufstrebende Aufsteiger

24. August 2010 / joe

Guidos Guide ist die neue Fußball-Kolumne der Wettbasis. Jeden Dienstag geht es um den letzten Bundesliga-Spieltag, den internationalen Fußball, sowie um aktuelle Stammtischthemen, die sich mit dem Lederball beschäftigen. Und natürlich Guidos Meinung.

Beim Thema Fußball ist man nie allein. So hat doch jeder Fußball-Begeisterte eine kleine oder große Gruppe von Mitbegeisterten. Über das Thema Fußball – insbesondere über die Bundesliga – kann man sich immer unterhalten. So ist Fußball nicht selten der Anfang einer Konversation, und somit der Einstieg in einen freundschaftlichen Abend, oder sogar der Beginn einer lange andauernden Freundschaft.
So geht es mir auch. Mein eifrigster Diskussionspartner im Thema Fußball heißt Guido, schwebt je nach Tagesform irgendwo zwischen 30 und 40 Spielzeiten Lebenserfahrung herum und ist von Beruf vermutlich Lebenskünstler. Andere Stimmen aus meinem Bekanntenkreis nennen ihn auch Überlebenskünstler. Was er gerade tut und wo er sich gerade aufhält, weiß man nie so recht. Doch in einem Punkt kann man sich sicher sein: Eine Meinung zum Thema Fußball – insbesondere zum Thema Bundesliga – hat er immer. Egal wo er sich gerade aufhält, egal welches Spiel er gesehen hat oder welche Diskussionen aktuell die Stammtische der Nation bewegen.
Guido ist der Grund, warum meine Woche jedes Mal mindestens mit einer Konstanten beginnt: Einem Gespräch, sei es per E-Mail, Telefon oder sogar mal persönlich. Gerade deshalb habe ich mich in der letzten Woche umso mehr darauf gefreut am Wochenende wieder Bundesliga Fußball zu schauen. Einerseits ist das – in diesem Jahr etwas kürzere – Sommerloch zu Ende, andererseits wird mit dem Bundesligastart auch meine Tradition mit Guido und unseren Diskussionen nach Spieltagsende wiederbelebt.
So kam das, worauf ich mich schon so lange gefreut hatte, am Sonntagabend nicht unbedingt unerwartet. Trotzdem durchfuhr mich ein sanfter Adrenalinschub als kurz nach dem Abpfiff der Begegnung zwischen Dortmund und Leverkusen mein Handy klingelte: Es war Guido.
Nachdem ich Guido aufs Herzlichste begrüßt hatte, erkundigte ich mich nach seiner Situation, wie sein Sommer so verlaufen sei, und wie es ihm überhaupt so ging. Guido antwortete nur mit einem schlichten "Bei mir ist alles klar". Noch bevor ich mich weiter über seine Lebenslage erkundigen konnte – wir haben uns immerhin fast zwei Monate nicht gesprochen – lenkte Guido das Gespräch auf den Bundesligastart.
"Das war ja mal ein chaotischer erster Spieltag. Kann mich nicht erinnern, dass an einem ersten Spieltag mal so viele Außenseiter gewonnen haben." Guido beendete diesen Satz mit einer für ihn typischen seltsamen Betonung, die das Gesagte weder als Frage noch als Aussage dastehen ließ.
"Das stimmt", gab ich ihm recht. "Kann mich auch nicht entsinnen in letzter Zeit so einen Saisonbeginn miterlebt zu haben"
"Aber mal im Ernst", unterbrach mich Guido. "Es kann doch nicht wahr sein, dass ich am ersten Spieltag gerade mal ein Ergebnis und eine Tendenz beim Tippspiel mit den Kollegen richtig getippt habe! Ich meine, wie lässt sich denn bitte Bremen dar in Hoffenheim abschlachten? Genau so unverständlich ist mir die Niederlage der Frankfurter in Hannover!" Ich merkte, dass sich Guido langsam in Rage sprach."96 hat sich doch vor Wochenfrist erst im Pokal blamiert!"
"Was sagt denn dein Tipp-Schein?",brachte mich Guido wieder ins Gespräch zurück. "Ich hoffe, bei dir ist es besser gelaufen." In Wahrheit hoffte er das nicht und ich war mir darüber im Klaren, dass meine folgenden Worte nicht unbedingt zu einer Verbesserung seiner Stimmung beitragen würden.
"Es lief ganz gut. Das Ergebnis der Bayern, das Unentschieden zwischen Mönchengladbach und Nürnberg und die Heimniederlage der Kölner, und den Sieg der Mainzer habe ich auf dem Zettel. Ach ja, für Leverkusen habe ich auch getippt." Ich kostete meinen Triumph in vollen Zügen aus! Wir gingen noch kurz auf die einzelnen Partien ein, sprachen etwas über den nächsten Spieltag und beendeten das Gespräch mit ein wenig Smalltalk, bei dem ich mich dann doch noch etwas über Guidos Lebenslage informieren konnte. Die wohl wichtigste Information, die ich erhaschen konnte, war das Guido mittlerweile bei einer Spedition arbeitete und seinen Wochenplan so vorausschauend organisiert hatte, dass er am Freitagabend in der Nähe von Kaiserslautern rasten würde. "Wegen des Spiels und Otto Rehhagel und so", begründete Guido seinen Plan.
Hätte ich meine Tipps nicht vorgelesen, hätte das Gespräch vermutlich deutlich länger andauern können. Doch wenn man einmal besser tippt als Guido, sollte man das ausnutzen, den Guido ist ein Experte - eigentlich. Das sagt zumindest meine Erfahrung. Und seien wir mal ehrlich, wer hat schon die Auswärtssiege der Aufsteiger vorausgesehen?




Bundesligastart: FC Bayern München – VfL Wolfsburg

20. August 2010 / joe

Am Freitag, den 20. August 2010, kommt es endlich zum heißersehnten Saisonstart der 1. Bundesliga in Deutschland. Mit dem Ex-Meister VfL Wolfsburg und dem amtierenden Champion FC Bayern München treffen zwei vermeintliche Spitzenmannschaften am 1. Spieltag aufeinander. In der Allianz Arena wird am Freitagabend offiziell die Saison 2010/2011 eröffnet.
Eine Saison, die aus Sicht der meisten Trainer in einem grauen Licht steht – zumindest zu Beginn. Denn die Verantwortlichen der Klubs sind alles andere als zufrieden mit der schleppend verlaufenden Vorbereitung ihrer Teams. Durch die Weltmeisterschaft in Südafrika und das folgende unglücklich angsetzte Länderspiel haben viele Vereine ihren Unmut öffentlich kundgetan. Allen voran Louis van Gaal: Der Bayern-Coach hatte mehrfach in der Presse der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass er mit der Vorbereitung seiner Mannschaft alles andere als zufrieden sei. Höhepunkt der Diskussion war das Auflaufen von Bayern München bei einem Vorbereitungsturnier mit einer halben Amateurmannschaft.
Schiedsrichter der Begegnung zwischen dem FC Bayern München und dem VfL Wolfsburg ist Throsten Kienhöfer aus Herne. Obgleich die Statistik in anderen Wettbewerben anders aussieht, ist es bemerkenswert, dass Kienhöfer bei 20 Einsätzen im Fußball-Oberhaus in der letzten Saison nicht einen einzigen Spieler vorzeitig zum Duschen schickte.
Anstoß des ersten Spiels der neuen Saison ist um 20:30 Uhr.

FC Bayern München:
Die Bayern starten in die neue Saison wie gewohnt: Als Favorit. Es ist lange her, dass die Favoritenposition des Rekordmeisters nicht nur so daher erzählt wurde und man es sich nur leicht machte, indem man den Schwarzen Peter des Favoriten zu den Bayern schob, sondern die Bayern auch wahrhaftig als unumstrittende Nummer 1 aufgenommen werden. So gibt es bei vielen Wettanbietern wieder die Wettmöglichkeit "Deutscher Meister – ohne Bayern München".
Vor allem liegt das an der grandiiosen Vorsaison der Süddeutschen. Der Sieg in der Meisterschaft, die überragende Vorstellung im Pokal und der Einzug ins Finale der Champions League haben in den nationalen Wettbewerben unheimlichen Eindruck hinterlassen – zu Recht. Zweifelsohne verfügen die Bayern in dieser Spielzeit wieder über den besten Kader der Bundesliga, doch die anfänglichen Verletztungen und besonders die WM im Rücken der Spieler könnten zu Beginn Probleme bergen. So hat Bayern mit Holländern und Deutschen (Müller, Schweinsteiger, van Bommel, Arjen Robben, Philip Lahm) die halbe Startelf bis zum Ende der Weltmeisterschaft im Einsatz gehabt. Die schwere Verletztung von Robben, der wahrscheinlich erst gegen Ende der Hinrunde eingreifen können wird, und die kleineren muskulären Probleme von den beiden Mittelfeld-Strategen, sind die kleinen Mitbringsel, die die Bayern in die neue Saison tragen – und kompensieren müssen.
Ein Einsatz von Olic ist zu Saisonbeginn auch noch nicht geplant. Dementsprechend wird es für die Bayern nicht mit der Erfolgself aus dem letzten Jahr an den Start gehen, obgleich die Münchener weiterhin hervorragend besetzt sind: Vor Butt werden Badstuber, Lahm, Contento und van Buyten agieren. Das Mittelfeld bilden van Bommel, Schweinsteiger, Müller, Kroos und Ribery. Die letzten drei sind für die Offensiv-Aktionen zuständig und müssen Klose im Sturmzentrum in Szene setzen.

VfL Wolfsburg:
Die Ziele des VfL Wolfsburg dürften zwar nicht ganz so hoch wie die des Rekorsmeisters gesteckt sein, doch allzu konservativ darf es die VW-Elf auch nicht angehen lassen. Denn in diesem Jahr hat man wieder kräftig investiert, um sich fußballerisch wieder ganz oben festzusetzen. Mit WM-Star Arne Friedrich konnte man einen hervorragenden Abwehrspieler von Hauptstadt-Absteiger Hertha BSC Berlin verpflichten. Außerdem verpflichtete man Cicero (auch von Hertha BSC Berlin) für das Mittelfeld und Simon Kjaer von US Palermo für die Abwehr. Der danischen Nationalverteidiger wird die Defensive der Niedersachsen unterstützen. In die Zukunft investierte man mit Stürmer Ben Khalifa. Für den 18 jährigen bezhalte der VfL Wolfsburg 1,8 Millionen Euro an die Grashopper Zürich.
Das Ziel der Wolfsburger in dieser Saison sollte ein Position in dem ersten Drittel der Bundesliga sein. Zwar scheint die Verpflichtung von Diego von Juventus Turin geplatzt zu sein, doch auf der anderen Seite konnte man Torschützenkönig Dzeko halten. Sollte Dzeko wieder mit über 20 Toren – letzte Saison 22 – dabei sein, wird sich der Marktwert noch steigern.
Personell kann der neue Trainer Steve McClaren nahezu aus dem vollen schöpfen. Kurzfristig könnte Torwart Benalgio ausfallen, da seine Frau ein Kind erwartet. Die Neuzugänge Friedrich und Kjaer werden in der Innenverteidgung erwartet. Im Mittelfeld könnte es zu einer Überraschung kommen, da Misimovic im Pokal eine schwache Vorstellung abgab, könnte Cicero ihn von Beginn an ersetzen. Abzuwarten bleibt außerdem, ob McClaren mit einem 4-5-1 und Dzeko als einziger Spitze spielen lässt oder in München sogar mit zwei Stürmern angreifen lässt. Beim Gastspiel in München ist eine defensivere Variante zu vermuten.

Fazit:
Aus den schwachen Vorstellungen im Pokal von Wolfsburg und Bayern kann man nicht viel mitnehmen. Jetzt geht der Ernst der Dinge los. Die Bundesliga beginnt, alles ist auf Null gestellt und die Punktejagd ist eröffnet. Zu Beginn einer Saison sollte man mit Prognosen vorsichtig sein. An beiden Mannschaften haften noch viele Fragezeichen, die sich wahrscheinlich erst nach den ersten drei Spieltagen beseitigen lassen werden. In-Play Vorteile einer Mannschaft zu erkennen erscheint als wahrscheinlich, wenn man bedenkt, dass ein Value vor dem Spiel am ersten Spieltag wirklich kompliziert heraus zu filtern sein wird.
Fußballerisch sind die Bayern eingespielter, ob es aber von der Fitness gegen Wolfsburg reicht, ist ebenso fraglich, wie die Eingespieltheit der Wolfsburger Hintermannschaft.

Quoten:
FC Bayern München:
1,63 @ betsson
Unentschieden: 4,00 @ bet365
VfL Wolfsburg: 5,80 @ bwin




(39) Bulissimo! Komm, pfeif ab.

11. Mai 2010 / joe

Das war es dann mit der Bundesliga-Saison. Zumindest die reguläre Saison gilt mit dem 34. Spieltag am Wochenende abgeschlossen. Lediglich das DFB-Pokal Finale und die – dem Kommerz gewidmeten – Relegationsspiele feheln auf nationaler Ebene, um das Kapitel 2009/2010 zu schließen. Der allgemeine Fußball-Fan kann sich dann noch an den internationalen Finalspielen in Madrid und Hamburg erfreuen, sowie das Vier-Jahres-Meeting der Nationalmannschaften am Kap der guten Hoffnung genießen. Vor einem all zu großen Sommerloch muss also niemand Angst haben. Obgleich die Bundesliga mit dem 34. Spieltag einen Deckel auf ihre Aktivitäten gelegt hat, sei ein letzter Blick auf das Ende dieser Saison gestattet:

1. Langeweile. So leid es uns tut, müssen wir sofort zu Beginn und ohne große Umschweife auf den Punkt kommen: Was für ein langweiliger Spieltag. Am letzten Höhepunkt der Saison fehlte besonders eines: Der Höhepunkt. Wenige Tore und wenige Emotionen, kaum komplizierte Konstellationen, schnelle Entscheidungen. Kein Zittern, keine Disskusionen. Keinen Eklat. So sensationssüchtig das alles klingen mag, soll es im Grunde genommen doch nur ausdrücken, dass die Bundesliga ihre Körner wohl schon in der gesamten Saison verschoßen hatte und für den letzten Spieltag ncihts mehr übrig hatte.

2. Abstiegskampf. Wie im ersten Punkt beschrieben, war das Kapitel Abstiegskampf dank der überschaulich gestalteten Bochumer Defensiv-Leistung recht schnell geklärt. Hannover 96 und der VfL Bochum sollten sich eingentlich zum Abstiegsendspiel und Klassenerhalts-Krimi im Ruhrpott treffen. Doch darauf wurde nichts. Die Gäste aus Niedersachsen gingen durch Arnold Bruggink bereits in der 9. Spielminute in Führung (besondere Beachtung erhält dieses Tor in Punkt 3). Nach 23. Minuten legten dann wieder die Bochumer in der Abwehr alles zu Recht, um diesmal Mike Hanke das Tore schießen leicht zu machen. Als der VfL dann kurz vor der Pause bei eigener Ecke eigentlich den zweiten Ball gewinnt, doch durch den indiskutabel agierenden Paul Freier, sofort wieder abgibt, und demzufolge in einen Konter läuft, ist Bochum abgestiegen. Schon nach dem ersten Gegentor wirkte Interimstrainer Darius Wosz hilflos. Als sähe er das Unheil kommen. Aufhalten konnte er es nicht mehr.

3. Arnold Bruggink. Durch den hohen Sieg Hannovers ging die Szene, die dem ersten Tor der Niedersachen (erziehlt durch eben Arnold Bruggink) vorangeht, vollkommen unter. In den meisten Berichterstattungen wurde sie nur kurz erwähnt, aber es wurde nicht weiter darüber diskutiert. An dieser Stelle soll das aber geschehen. Denn was sich Arnold Bruggink dort leistet, ist grob unsportlich.
Nach einem Foul (?) bleibt der Hannoveraner am Boden liegen. Er krümmt sich und deutet dem Beobachter deutlich Schmerzen an. Hannover verlagert das Spiel auf die linke Seite (Bruggink liegt auf der rechten Außenbahn), spielt den Ball jedoch nicht ins Aus. Hannover spielt auf der linken Seite weiter, Bruggink sieht seine gute Position, und erhebt sich per Wunderheilung, rennt in den Strafraum und erziehlt das erste Tor für Hannover.
Man mag argumentieren, dass dieses Vorgehen Gang und Gebe in der Bundesliga sei, doch unsportlich bleibt es so oder so. Hannover plant Arnold Bruggink abzugeben. Aus neutraler Sicht eine gute Sache, denn solche Profis braucht die Bundesliga nicht.

4. Kampf um die internationalen Plätze. Im Kampf um die internationalen Plätze lief alles gegen eine Überraschung. Das Schlüsselspiel zwischen Hamburg und Bremen endete genau so, wie es nicht hätte enden dürfen. Durch das Unentschieden im Nordgipfel, wurden die Ausgänge der Begegnungen mit Leverkusen und Stuttgart nahezu gleichgütig. Zwar verlor Stuttgart nicht in Hoffenheim, womit auch ein Hamburger Auswärtssieg in Bremen unnütz gewesen wäre, und Leverkusen gewann nicht in Mönchengladbach, womit eine Bremer Niederlage auch keine andere Entscheidung erbracht hätte, jedoch kam durch diese Ergebnisse und Zwischenstände niemals wahre Spannung in der 9-Spiele Bundesliga Konferenz auf. Manchmal kann man das Drehbuch des Fußball halt doch nicht selber schreiben.

5. Spanien. Wer in Sachen Abstiegskampf eventuell noch etwas Dramatik erleben will, sollte sich am Wochenende den letzten Spieltag der Primera Division in Spanien angucken. Dort sind gleich vier Mannschaften – von denen zwei Gegen Real Madrid und den FC Barcelona spielen – punktgleich. Zwei von ihnen steigen ab, zwei bleiben drin. Unter bestimmten Voraussetzungen kann sogar der Tabellenletzte, obgleich drei Punkte Rückstand, noch in das Geschehen eingreifen.

Die Fußball Kolumne Bulissimo! erscheint jeden Dienstag und befasst sich mit der Bundesliga, aktuellen Stammtischthemen des Fußballs und Kuriositäten rund um den Lederball.




Topspiel des 34. Spieltags: SV Werder Bremen – Hamburger SV

7. Mai 2010 / joe

Wenn am Wochenende zum letzten Mal in dieser Bundesliga-Saison der Ball rollt, wird sich alles das entscheiden, worauf die Einen seit knapp einem Jahr hingearbeitet haben und wogegen die Anderen seit knapp einem Jahr ankämpfen. Obgleich die Frage der Titelentscheidung vor wochenfrist geklärt wurde, beinhaltet der 34. und letzte Spieltag der 1. Bundesliga noch Antworten auf einige offen Fragen. Sowohl im unteren Drittel der Liga als auch bei der Vergabe der internationalen Plätze müssen noch entscheidene Details geklärt werden.
Im hohen Norden der Bundesrepublik kümmert man sich vor dem letzten Wochenende der Saison vor allem, um die internationalen Plätze. Die Grün-Weißen Bremer haben sich mit erfolgreichem Auftreten in der Vergangenheit die Möglichkeit der Champions League Qualifikation erspielt. Der HSV kämpf um die letzte Chance hinsichtlich einer Qualifikation für die Europa League.
Anstoß des Topspiels des 34. Spieltags zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV ist am Samstag, den 8. Mai 2010, um 15:30 Uhr. Alle Spiele des letzten Spieltags finden zeitgleich am Samstagnachmittag statt.

SV Werder Bremen:
Es mag stimmen, dass die Bremer zu unkonstant sind. Sicherlich ist auch richtig, dass sich die Bremer gerne gegen kleinere Mannschaften Unaufmerksamkeiten leisten, die sie später eine ganze Saison mit sich herum tragen müssen. Doch eine weitere Wahrheit über die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf ist ihre unglaubliche K.O-Mentalität. Sobald es nur noch 90 Minuten sind, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden sind die Werderaner hell wach. Die besten Beispiele findet man in den Pokal-Wettbewerben. Werder Bremen ist in den vergangenen Jahren immer eine feste Größe im DFB-Pokal gewesen. Im letzten Jahre gewannen sie den deutschen Pokal und in diesem Jahr kann ihnen das im Finale gegen den FC Bayern München wieder gelingen. Auch im UEFA Cup in der letzten Saison zogen die Bremer ins Finale vor. Äußerst unglücklich schieden sie in diesem Jahr gegen den FC Valencia aus Spanien aus. In der Champions League geling es den Bremern gegen die Großen fabulös aufzuspielen, allerdings lassen sie dann in der Folgewoche gegen den Gruppenletzten Punkte liegen.
In der Bundesliga kann man die Bremer Mentalität in diesen Wochen wieder beobachten. Als es auswärts auf Schalke um alles ging, konnten sich die Norddeutschen auf ihre Erfahrung verlassen und rannten, obgleich es sehr lange 0:0 stand und ein Unentschieden den Bremer tendentiell nicht geholfen hätte, nicht blind an, sondern warteten geduldig auf ihre Möglichkeiten und nutzten diese dann eiskalt. Am Ende gewannen die Bremer in Gelsenkrichen (2:0), durchkreutzten damit die Schalker Meisterträume, aber härteten vor allem die eigenen Ambitionen auf die Champions League Qualifikation. Der dritte Tabellenplatz ist das Ziel der Mannschaft von Thomas Schaaf und aktuell belegen die Bremer selbigen.
Momentan befinden sich die Bremer im Aufwind. Vier der letzten fünf beziehungsweise sieben der letzten acht Bundesligaspiele wurden gewonnen. Zuletzt kassierte Werder Bremen zwei Mal kein Gegentor. Nur im ersten Spiel des Kalenderjahres in Frankfurt (0:1) gelang Bremen kein Tor. Sonst hat der beste Angriff der Liga immer getroffen.
Die Tabellenkonstellation sieht Bremen (60) zwei Punkte vor Bayer Leverkusen (58) und sogar drei Punkte vor Borussia Dortmund (57). Aufgrund des deutlich schlechteren Torverhältnisses wird Dortmund mit Sicherheit nicht mehr an den Norddeutschen vorbeiziehen können. Im Vergleich der Tordifferenzen liegt Bremen bezüglich Leverkusen mit vier Tore vorne (durch die aktuell mehr geschossen Tore, könnte man sogar von einem virtuellen Vorsprung von fünf Toren sprechen). Da die Werkself vom Rhein allerdings in Mönchengladbach spielt - eine Mannschaft, die sich schon am letzten Wochenende unverständlicherweise indiskutabel präsentierte - ist es durchaus realistisch Leverkusen auch bei einem Bremer Unentschieden noch Chancen einzuräumen.
Ein Remis gegen Hamburg würde pauschal nicht reichen.

Hamburger SV:
Der Stachel der letzten Saison, als Werder Bremen den Hamburger SV innerhalb weniger Tage im DFB-Pokal und auch im Uefa Pokal Halbfinale aus den jeweiligen Wettbewerben kickte, sitzt bei den Hamburger noch tief. Zumal die Bremer zusätzlich auch noch in der Liga gegen Hamburg gewannen. In dieser Spielzeit können die Hamburger nun zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen, in dem sie verhindern, dass Bremen in die Champions League kommt und selbst den Einzug in die Europa League perfekt machen. Das Ganze ist nur bei einem perfekten Wochenende für den HSV möglich. Es setzt voraus, dass der Hamburger Sportverein in Bremen gewinnt, die Leverkusener zeitgleich in Mönchengladbach gewinnen und der VfB Stuttgart in Hoffenheim verliert. Wirklich in der eigenen Hand haben es die Mannen von der Elbe also nicht, dennoch würde ist ein eigener Sieg der Grundstein.
Mit Jerome Boateng, Piotr Trochowski, Marcell Jansen und Denis Aogo stellt der Hamburger SV gleich vier Spieler im vorläufigen Aufgebot für die Weltmeisterschaft in diesem Sommer in Südafrika. Die Motiviation sollte gerade bei diesen vier – von denen im Vorhinein Keiner sicher mit der Berufung rechnen durfte – besonders hoch sein. Zwar spielen auf Bremer Seiten auch vier Spieler (Tim Wiese, Per Mertesacker, Mesut Özil, Marko Marin) eine Rolle auf dem Papier des Bundestrainers; doch konnten diese – eventuell mit Ausnahme von Marin – sicher davon ausgehen, nominiert zu werden.
Der Hamburger SV spielte in der jüngsten Vergangenheit eine mehr als unglückliche Rolle in der Bundesliga. Durch die Querelen mit Ex-Trainer Bruno Labbadia und dem unerwarteten Scheitern im Halbfinale der Europa League (Hamburg musste in Fulham nur 30 Minuten lang, zwei Gegentore verteidigen), schwankten die Konzentration und damit auch die Leistungen in den regelmäßigen Ligaspielen gewaltig. So wurden nur zwei der letzten acht Spiele gewonnen. Nach bitteren Niederlagen zu Hause gegen Mainz (1:0) und in Hoffenheim (1:5), wurde Trainer Labbadia schließlich entlassen. Unter Interimscoach Ricardo Moniz wurde dann in Fulham bitter verloren. Doch die Mannschaft zeigte am letzten Wochenende im letzten Heimspiel der Saison gegen Nürnberg eine Reaktion und gewann deutlich (4:0).
Um die letztendlich verkorkste Saison wieder gerade zu biegen müssten die Hamburger am letzten Spieltag nicht nur in Bremen gewinnen, sondern auch eine ordentliche Portion Glück haben. Am letzten Spieltag der letzten Saison gelang Hamburg in ähnlicher Situation ein Auswärtssieg in letzter Minute in Frankfurt. Damals kam Borussia Dortmund nicht über ein Unentschieden in Mönchengladbach hinaus und Piotr Trochowski sicherte den Hamburgern den Einzug in die Europa League.

Fazit:
Bremen gegen Hamburg ist einer dieser Klassiker, welche die Bundesliga so attraktiv machen. Die Fanlager beider Mannschaften machen aus einem gewöhnlichen Fußballspiel ein atemberaubendes Erlebnis. Inwiefern am Ende eines der beiden Lager im wahrsten Sinne des Wortes atemlos das Stadion verlässt, entscheiden die 22 auf dem Rasen. Grün-Weiß sorgt sich um das ganz große Geschäft und hat zweifelsohne die besseren Karten. Blau-Weiß-Schwarz sollte noch einmal alles in die Waagschale werfen, um das Unmögliche möglich zu machen. Wie im letzten Jahr.

Quoten:
SV Werder Bremen: 1,65 @ unibet
Unentschieden: 4,80 @ betfair
Hamburger SV: 5,35 @ expekt




(38) Bulissimo! Das vorletzte Treffen

4. Mai 2010 / joe

Vorletztes Wochenende. Vorletzter Spieltag. Das vorletzte Treffen der Fußball Bundesliga in dieser Saison. Für eben diese regelmäßigen Treffen haben sich für die nächste Saison bereits der FC St. Pauli und der 1. FC Kaiserslautern angemeldet. Die beiden Mannschaften werden nach dem Sommer am Spielbetrieb der höchsten deutschen Spielklasse teilnehmen. Mit Hertha BSC Berlin verliert die Liga eine der spielerisch besten Mannschaften. Vergleicht man das spielerische Potential der Berliner mit dem der anderen Abstiegskandidaten, huscht einem ein leichtes Schmunzeln übers Gesicht. Die Berliner sind wohl der beste Absteiger aller Zeiten – der wohl unnötigste Abstieg der Geschichte. Die etwas anderen Höhepunkte fast Bulissimo! zusammen:

1. Berliner Symphatisanten: Interessant an der Berliner Geschichte, die von der "beinahe-Meisterschaft" über den "Sommerausverkauf" und den "Dauerletzten" in den sicheren Abstieg führte, ist das Spiegelbild der Berliner in der Bevölkerung. Denn – wer sich erinnert – als in der letzten Saison über die Erfolgsserie der Berliner, die lange Zeit der Rückrunde die Tabellenführung inne hatten (zwischenzeitlich mit bis zu vier Punkten Vorsprung!), berichtet wurde, ging ein Raunen durch den Raum. Die Hauptstädter würden so ergebnisorientiert spielen und keinen Sinn für schönen Fußball haben. "Die sind nur effektiv, anschauen kann sich das keiner", trifft in etwa den Kern des Berliner Images an den Stammtischen der Nation. In dieser Saison hat sich das Blatt gewendet. Plötzlich begrüßt die Berliner jeder als "spielstark" und "attraktiv". Im Allgemeinen werden die Spiele als fußballerisch hochwertig betrachtet. Kaum schießen die Herthaner keine Tore mehr, sind sie beliebt.
"Keine Tore" haben also "breite Beliebtheit" als Konsequenz. Interessant!

2. Der Fall des Kevin Großkreutz: Fragen sie bitte nicht, wie der Schiedsrichter der Begegnung - auf dessen Namen in diesem Bulissimo! aus Personenschutz-Gründen nicht weiter eingegangen wird -  im Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg auf die Idee gekommen ist, einen Elfmeter zu pfeifen, als Kevin "12,7 km Laufstrecke pro Spiel" Großkreutz im Strafraum der Wölfe im besten Fall "ins Straucheln" geriet. Bis heute ist vollkommen ungeklärt warum Kevin Großkreutz in diesem Moment zu Boden geht. Ein Foul war es, mangels Berührung eines Wolfsburgers, nicht. Auch eine Schwalbe kann, aufgrund der Fernsehbilder und der absoluten Unmöglichkeit einer Nachstellung der Bewegungen des Dortmunders, vollkommen ausgeschlossen werden. Was ist es dann? Einfach nur Unvermögen vermutlich. Als sich Großkreutz über den Pfiff freut, wusste er sicherlich noch nicht, dass der Kontakt, den er gespührt haben wird, lediglich von seinem anderen Bein verschuldet war. Dieses bewegte sich nämlich entgegen aller physikalischen Gesetze im freien Raum des Wolfsburger Strafraums umher. Wer das Video dieser Situation häufiger anschaut wird wahrscheinlich zu dem Schluß kommen, dass es zwar niemals ein Elfmeter war, aber dennoch einen verdient hatte. Denn was Großkreutz da macht, ist große Klasse. Zwar nicht im Fußball, aber immerhin.

(2. b) Kommerz: Auf den kompletten kommerziellen Fehltritt der VW-Mannschaft aus der Autostadt in Niedersachen, an den letzten drei Spieltagen, aufgrund einer Werbekampagne des Hauptsponsors, auf die Vereinsfarben zu verzichten und stattdessen in einem dunklen Blau aufzutreten, wird hier bewusst nur in Klammern hingedeutet.)

3. Die Borussia Lüge: Totz des Abstiegs einer Fußballkunst und eines schwachsinnigen Elfmeters, ist das bitterste Element dieses Spieltags noch unbesprochen: Borussia Mönchengladbach.
Was sich die Niederrheiner bei ihrem "Auftritt" – es sei bemerkt, dass "Auftritt" eigentlich zu hoch gegriffen ist – in Hannover gedacht haben, ist nicht nur Trainer Michael Frontzeck sondern auch ganz Fußball-Deutschland schleierhaft. Sich innerhalb kürzester Zeit vom Tabellenvorletzten dermaßen abschießen zu lassen, dass dieser nicht nur drei Punkte im Spaziergang geschenkt bekommt, sondern gleichzeitig sein negatives Torverhältnis aus der kompletten Saison nahezu ausgleichen kann, ist indiskutabel. Die Gladbacher, die außer in Köln in der Republik im Grunde recht guten Ruf genießen, haben ihren Kredit bei manch einem an diesem Wochenende verspielt. Gerade die Borussia, die, aufgrund ihrer jüngsten Abstiegskampf-Historie, wohl am besten wissen sollte, wie wichtig es ist, dass alle Mannschaften in der Bundesliga ihre Saison bis zum Ende gewissenhaft spielen, um den Wettbewerb nicht zu verschieben, ließ sich am Wochenende nach allen Regeln der Kunst einseifen.
Die Art und Weise mit der die Gladbacher ihr Spiel abschenkten, ist eine Frechheit und eine absolute Respektlosigkeit gegenüber allen anderen Mannschaften der Bundesliga.
Erkannt haben das sogar die eigenen Fans, die geschlossen in der 65. Minute den Block verließen.

Die Fußball Kolumne Bulissimo! erscheint jeden Dienstag und befasst sich mit der Bundesliga, aktuellen Stammtischthemen des Fußballs und Kuriositäten rund um den Lederball.




Topspiel des 33. Spieltags: FC Schalke 04 – SV Werder Bremen

29. April 2010 / joe

Am Samstag, den 1. Mai 2010, treffen in Gelsenkirchen in der Arena auf Schalke der FC Schalke 04 und der SV Werder Bremen beim Spitzenspiel des 33. Spieltags der Fußball-Bundesliga aufeinander. Natürlich ist – auch wenn es sich um zwei Topmannschaften handelt – ein wenig Glück dabei, die Begegnung des Tabellenzweiten gegen den Tabellendritten auf den vorletzten Spieltag zu legen, jedoch hat die Bundesliga an diesem Spieltag somit genug Spektakel auf dem Parkett. Ob der FC Schalke 04 und der SV Werder Bremen ihre Ausgangspositionen nutzen oder ob sie sich durch ein Unentschieden wahrscheinlich beide um die Chancen des letzten Spieltags bringen, steht auf einem anderen Blatt. Allerdings besteht für beide die Chance das eigene Menu deutlich schmackhafter zu machen, während man zeitgleich dem Gegenüber gehörig die Suppe versalzen kann.
Dadurch, dass im unteren Tabellendrittel noch vier Mannschaften gegen die Abstiegsplätze kämpfen und im oberen Tabellendrittel noch zwei Teams die Meisterschaft und drei weitere den letzten Champions League Platz unter sich ausmachen, ist am 33. Spieltag jede Begenung mit einer gewissen Würze versehen. Aus Gründen der Chancengleichheit werden die letzten beiden Spieltage komplett an den jeweiligen Samstagen ausgetragen. Es stehen also neun Partien am Samstagnachmittag um 15:30 Uhr zeitgleich auf dem Plan. Ein wahres Fest für jeden Fan.

FC Schalke 04:
Mehr schlecht als recht gewannen die Königsblauen am vergangenen Wochenende beim Tabellenletzten aus Berlin (1:0). Obgleich die Berliner – wie immer wieder betont wird – deutlich besser spielen, als dies der Tabellenstand aussagt – und wohl bis zum Ende der Saison aussagen wird – muss sich der FC Schalke 04 den Schuh anziehen, gegen die Hauptstädter unterlegen gewesen zu sein. "Wer solche Spiele gewinnt, darf sich "Spitzenmannschaft" nennen", schalt es bei Auftritten dieser Art aus dem Volksmund. Jedoch müssen sich die Knappen wirklich fragen, ob so eine Leistung gegen Werder Bremen nicht zum Meisterschafts-KO führt. Denn die Berliner hätten dieses Spiel gewinnen müssen. Der Einzige, der das zu verhindern wusste, und im Grunde genommen dadruch der beste Mann auf dem Platz war, heißt Manuel Neuer. Der Gleiche Manuel Neuer, der in der Nationalmannschaft aktuell ordentlich an die Tür des Stammtorhüters klopft. Diese Diskussion ist zwar mit Sicherheit romanfüllend und dementsprechend an dieser Stelle fehl am Platz, jedoch sei die kurz und knapp am Rande erwähnt: Manuel Neuer hat in Berlin die Schalker Meisterschaftsträume gewahrt.
Einfacher zu sehen war der Unterschied der beiden Mannschaften letztlich beim Schalker Tor, als Westermann aus ähnlicher Position und in ähnlicher Situation den Ball eben in die Maschen und nicht – wie vorher die Kicker der Heimmanschaft – gegen die Werbebanden jagte.
Die Königsblauen werden sich darüber im Klaren sein, dass gegen Werder Bremen eine enorme Leistungssteigerung her muss. Vor allem Trainer Felix Magath ist weise genug, dies erkannt zu haben. Ein angenehmer Nebeneffekt für das Spitzenspiel gegen Werder Bremen ist für die Knappen, dass das Spiel in Gelsenkirchen statt findet. Dort verlor man bisher nur zu Beginn der Saison gegen Freiburg (0:1) und Wolfsburg (1:2), sowie gegen die Bayern (1:2). Ansonsten gewann Schalke von 16 Heimspielen deren elf, spielte zwei Mal Unentschieden und musste eben diese drei angesprochenen Male sämtliche Punkte abgeben. Mit 35 Punkten belegt man im Liga-Vergleich auf Rang drei der Heimtabelle hinter Bayern und Leverkusen.
Drei der letzten fünf Spiele gewann Schalke 04. Nachdem in Hannover verloren wurde (2:4) und gegen Mönchengladbach gewonnen wurde (3:1), folgte der schwache Sieg in Berlin (1:0). Letztlich kann man aktuell keine wirkliche Form bei den Schalkern erkennen. Jedoch sollte das Ziel der Meisterschaft über irgendwelchen Formschwankungen stehen.

SV Werder Bremen:
Es scheint als liefe in dieser Saison alles so, wie in der letzten Saison, nur andersrum. Als man in der letzten Saison noch im Uefa-Cup und DFB Pokal Finale stand, war man in der Liga schon ins triste Mittelfeld abgerutscht. In dieser Saison steht Werder Bremen zwar wieder im DFB Pokal Finale, doch in dieser Saison scheiterte man unglücklich an dem FC Valencia im Achtelfinale der Europa League. Dementsprechend fokussierrte sich die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf wieder auf die Bundesliga und legte eine beeindruckende Serie hin, die sie aus dem tristen Mittelfeld wieder in die internationalen Plätze der Tabelle vorschob.
Dass Bremen in der nächsten Spieltzeit auf europäischer Ebene vertreten sein wird ist sicher, doch ob es in der Champions League oder in der Europa League geschieht ist noch unklar. Aktuell belegen die Bremer genau diesen angestrebten dritten Tabellenplatz. Allerdings ist man punktgleich mit Bayer Leverkusen, die mit Berlin und Mönchengladbach keine großen Gegner mehr vor der Brust haben. Lediglich zwei (einhalb) Tore Vorsprung weist die Tabelle zu Gunsten der Norddeutschen auf.
Prinzipiell steht Bremen also vor Leverkusen. Ob das nach den Spielen auf Schalke und gegen Hamburg am Ende der Saison immernoch so ist, darf bezweifelt werden. Dafür spricht jedoch die Serie der Bremer: Vier der letzten fünf Bundesligaspiele wurden gewonnen. Nach einem Heimsieg gegen den 1. FC Nürnberg (4:2), folgte eine Auswärtsniederlage in Dortmund (1:2). Siege gegen Freiburg (4:0), in Wolfsburg (4:2) und gegen Köln verschoben die Tabelle wieder zu Gunsten der Bremer. Doch gerade das letzte SPiel gegen den 1. FC Köln wirft – ähnlich wie es das Schalker Spiel gegen Berlin tut – Fragen auf. Denn die Bremer verspürten in den ersten 88. Minuten des Spiels wohl eine gewisse Impotenz hinsichtlich des Kölner Abwehrriegels. Dank eines Handspiels des Kölner Innenverteidigers Pedro Geromel im Strafraum gelang Throsten Frings durch den fälligen Elfmeter das erlösende Siegtor (89.). Über die gesamte Spielzeit gesehen war das sicherlich zu wenig, um auf Schalke bestehen zu können. Blickt man auf die letzten beiden noch ausstehenden Spieltage ist ein simples "bestehen" auf Schalke für die Bremer auch zu wenig. Es ist an der Zeit auf Schalke zu "gewinnen". Denn so und nur so wird man vermutlich die Leverkusener auf Distanz halten können.

Fazit:
Die – traditionell -  beste Abwehr der Liga (Schalke mit 29 Gegentoren) trifft auf den – traditionell – besten Angriff der Liga (Bremen mit 68 Treffern). Klingt nach einem qualitativ hochwertigen Spiel. Doch was die beiden Mannschaften am letzten Wochenende ihren Fans anboten, versprich exakt das Gegenteil. Weder die Schalker in Berlin noch die Bremer gegen Köln, konnten gegen mittelmäßige Gegner überzeugen. Eigentlich bleibt beiden faktisch nur, dass der Gegner aktuell ähnlich "rumgurkt". Der FC Schalke 04 und der SC Werder Bremen müssen beweisen, dass sie die Bundesliga würdig in der Champions League vertreten werden. Andernfalls bekommen sie zumindest heute schon mal die Quittung - im Voraus. Ein Service des Hauses oder des Gastes?

Quoten:
FC Schalke 04: 2,25 @ expekt
Unentschieden: 3,45 @ unibet
SV Werder Bremen: 3,60 @ betfair




(37) Bulissimo! Finale, oder doch nicht?

27. April 2010 / joe

Wer hätte das gedacht? Nachdem Bulissimo! in der letzte Woche darüber berichtet, wie die Situation bezüglich der Titelvergabe in den Top-Ligen Europas aussah, hat sie sich an diesem Wochenende in zwei der vier betrachteten Spielklasen drastisch verändert. So muss der FC Bayern München in Deutschland nach dem Unentschieden in Mönchengladbach am 32. Spieltag (1:1) um den Meistertitel in der 1. Bundesliga bangen. Der FC Schalke 04 konnte durch den sehr glücklichen Last-Minute Auswärtserfolg in Berlin (1:0) entscheidenen Boden gut machen und steht den Bayern nun nur noch im Torverhältnis etwas nach.
In Italien drehte sich das Blatt an der Spitze sogar komplett. Das – wie angekündigt – schwierigste Spiel im Restprogramm des ehemaligen Tabellnführers aus Rom gegen Sampdoria Genau wurde dem AS Rom zum Verhängnis. Trotz des Führungstors durch Kapitän Totti, konnten die Hauptstädter nichts Zählbares aus dem Heimspiel mitnehmen (1:2). Nun steht Inter Mailand am Platz der Sonne. Ohne die trügerischen Aussagen in dieser Kolumne nutzen zu wollen, darf hier angekündigt werden, dass Inter aufgrund des qualitätsarmen Restprogramms den sportlich fünften Meistertitel in Folge gewinnen wird. Ein besonderer Titel, denn mit diesem Meisterschaftsgewinn – dem 18 -  würde Inter (inkl. des im Nachhinein zugesprochenen Titels), am AC Milan (17 Titel) vorbeiziehen.

Das einzige Thema, welches in dieser Woche zählt, ist Europa! Kommen die Bayern bis ins Finale? Dringt der HSV ins Endspiel im eigenen Stadion ein?

Zu der ersten Frage mit den Bayern, hätte man vor Wochenfrist noch mit einem druchaus selbstbewussten "JA!" gewantwortet, doch mittlerweile scheint man diese Aussage relativieren zu müssen. Denn die Bayern haben zwar das Hinspiel dominiert, aber sie spielten a) zu Hause, b) mit Frank Ribery, c) mit einer eingespielten Defensive und d) in einer gewissen Euphorie. Im Rückspiel müssen die Bayern nun a) auswärts nach Lyon, b) ohne Frank Ribery auskommen, c) mit einer wild drucheinander gewürfelten Defensive antreten, und d) den Stotterfußball aus dem Gladbach-Spiel aus den Köpfen streichen.
Sicherlich stehen die Vorzeichen nicht mehr so gut um die Bayern, allerdings sollte jedem klar sein, dass sich der Münchener Vorsprung und der Vorteil, der sich aus dem gegetorlosen Hinspielsieg ergibt, immer noch auf Seiten der Bayern ist. Die Motivation seit langem mal wieder den deutscen Fußball in ein Endspiel der UEFA Champions League zu bringen sollte in jedem Fall reichen, um in bester Verfassung das Spielfeld zu betreten.

Zu der zweiten Frage, hätte man vor Wochenfrist mit einem enttäuschten und tiefgähnenden "NEIN!" gewantwortet, doch mittlerweile hat man ein wenig Hoffnung im Umfeld des Hamburger Sportvereins schöpfen können. Die Norddeutschen präsentierten sich im Hinspiel des Halbfinals der Europa League gegen den FC Fulham (tristes Mittelfeld in England) positiv formuliert "zurückhaltend" oder "bescheiden". Zwar hatte man über die meiste Zeit den Ball, jedoch schienen die Hamburger nichts mit der Lederkugel anfangen zu wissen. Letztendlich stand ein torloses Unentschieden zu Buche, welches mit Sicherheit alles für das Rückspiel offen lässt, allerding die bessere Ausgangssituation nach England schiebt. Der HSV muss irgendwie ein Tor in Fulham schießen, um auf irgendeine Art und Weise weiterzukommen – schwierig genug.
Die Hoffnung resultiert dann docher eher aus dem Trainerwechsel. Aktuell ist es nur ein Trainerrauswurf. Wann ein offizieller Nachfolger bekannt gegeben wird, steht noch offen.

Aus deutscher Sicht kann man sich nur wünschen, dass man am Ende der Woche in dem ein oder anderen Boulevard-Blatt ein "JA!" lesen darf.

Die Fußball Kolumne Bulissimo! erscheint jeden Dienstag und befasst sich mit der Bundesliga, aktuellen Stammtischthemen des Fußballs und Kuriositäten rund um den Lederball.




32. Spieltag der 1. Bundesliga: Fernduell um die Meisterschaft

22. April 2010 / joe

Herzlich Willkommen zum 32. Spieltag der 1. Bundesliga in Deutschland. An diesem Wochenende gibt sich die höchste deutsche Spielklasse eine ganz besondere Ehre: Ein Spieltag ohne Topspiel. In ausnahmslos jedem Spiel gibt es einen klaren Favoriten. Das ausgeglichenste Spiel ist wohl Mainz gegen Frankfurt, wobei sich die Spannung in diesem Spiel bedingt durch die tabellarische Situation in Grenzen hält. So wird jeder Fan mit seiner Mannschaft mitfiebern, ohne mit einem Auge auf das "Spitzenspiel" zu schielen.
Die interessantesten Begegnungen sind demnach Fernduelle. Zwar spielen die Mannschaften nicht direkt gegeneinander, jedoch sind diese Fernduelle, insbesondere zu diesem späten Zeitpunkt in der Saison, durchaus spannend, da sie schon tendentielle Vorentscheidungen fällen könnten. Im Abstiegskampf sind die Fernduelle zwischen Nürnberg, Bochum, Freiburg und Hannover sicherlich von Bedeutung. Am erfolgreicheren Ende der Tabelle kämpfen der FC Schalke 04 und der FC Bayern Müchen um die Tabellenführung.
Das Fernduell zwischen den beiden Spitzenmannschaften der Liga soll im Folgenden genauer beleuchter werden:

Ausgangsposition:
Die Ausgangsposition ist schnell erklärt. Die Münchener Bayern führen mit zwei Punkten Vorsprung (63) vor dem FC Schalke 04 (61). Außerdem ist die Mannschaft aus Süddeutschland im Torverhältnis klar besser. Den Bayern kann also ein virtueller Punkt zusätzlich zugeschrieben werden, wenn man davon ausgeht, dass die Schalker in den letzten drei Spielen keine 14 Tore Unterschied auf die Bayern aufholen.

Borussia Mönchengladbach – FC Bayern München, Samstag, den 24. April, 15:30 Uhr:
Der FC Bayern München führt die Tabelle an und muss folglich auf dem Weg zu Deutschen Meisterschaft einfach nur jedes Spiel gewinnen. Blickt man auf das Restprogramm des Rekordmeisters erscheint das keine unlösbare Aufgabe zu sein: Nach Borussia Mönchengladbach treffen die Bayern noch auf den VfL Bochum und die Hertha aus Berlin.
Unter der Woche gelang den Bayern ein Sieg gegen Olympique Lyon im Halbfinale der UEFA Champions League. Dieser Hinspielsieg hat die Tür zum Finale in Madrid für die Münchener extrem weit aufgestoßen. Zwar hätte man aufgrund der Chancen gut und gerne ein zweites Tor erzielen können, doch der Fakt, dass die Bayern gewonnen haben und zusätzlich noch kein Gegentor kassiert haben, ist sehr wertvoll. Mit der Auswärtstärke der Münchner sollte es den Bayern gelingen im Rückspiel vollständig durch die Tür zum Finale zu gehen. Sobald die Bayern in Frankreich ein Tor erzielen, müsste Lyon schon deren drei erzielen, um im Finale dabei zu sein. Mit einer konzentrierten Vorstellung und einem verantwortungsbewussten Schiedsrichter, sollte das eine faire Aufgabe sein.
Für das Finale in der Bundesliga bedeutet das im Moment nur, dass die Münchener noch mehr Konzentration auf den internationalen Wettbewerb legen werden. Es besteht die Gefahr – gerade bei derart "kleinen" Gegnern - die gegnerische Mannschaft nicht für voll zu nehmen, da der Unterschied zwischen Borussia Mönchengladbach und Olympique Lyon in der heutigen Zeit eklatant ist.
Fraglich ist, wie lange van Gaal mit Robben spielen wird. Durch die Rote Karte von Ribery in der Champions League wird der Franzose iin der Bundesliga sicherlich über 90 Minuten gehen. Andere Stammspieler könnten eine Pause bekommen.
Borussia Mönchengladbach ist für die Bayern ein dankbarer Gegner. Denn für die Niederrheiner geht es in dieser Saison nur noch um die Goldene Ananas. Im unteren Mittelfeld der Tabelle sind die Borussen gesichert und haben nach ihrem Aufstieg in der letzten Saison das berüchtigte "2. Jahr" gemeistert.

Fazit:
Die Bayern werden umbauen und wahrscheinlich viele Stammkräfte, auch angesichts der "Ferien" für Olympique Lyon (die Franzosen haben von dem nationalen Verband "frei" bekommen für dieses Wochenende), schonen. Die Spielstärke von Borussia Mönchengladbach lässt das zweifelsohne zu. Jedoch haben die Gladbacher in dieser Saison zu Hause gegen die "großen" Mannschaften immer gut ausgesehen. Heimsiege gegen Schalke, Bremen und Hamburg stehen bereits zu Buche. Eine frühe Entscheidung der Partie wäre für die Bayern sicherlich das Beste – vielleicht auch für die Liga.

Quoten:
Borussia Mönchengladbach: 7,00 @ unibet
Unentschieden: 4,90 @ betfair
FC Bayern München: 1,50 @ bet365

Hertha BSC Berlin – FC Schalke 04, Samstag, den 24. April, 15:30 Uhr:
Durch das Unentschieden der Bayern in Leverkusen, hatten die Schalker es eingentlich selbst in der Hand ihre Position deutlich zu verbessern. Doch eine Auswärtsniederlage bei Hannover 96 (Vorletzter der Tabelle) darf einem Titelanwärter nicht passieren (2:4). Nun steht Schalke – letzte Woche 3:1 gegen Borussia Mönchengladbach -  bereits zwei Punkte hinter den Bayern, aber immer noch in Schlagdistanz. Den Schalker kommt die Doppelbelastung der Münchener sicherlich entgegen, doch zunächst müssen die eigenen Aufgaben gemeistert werden.
In Grunde genommen darf Hertha BSC Berlin für die Mannschaft von Trainer Felix Magath kein Stolperstein sein. Die Hauptstädter haben seit dem ersten Spieltag kein Heimspiel mehr gewonnen und tun sich über die ganze Saison hinweg, aber insbesondere in den letzten Spielen, äußerst schwer damit, im heimischen Olympiastadion zu treffen: In diesem Kalenderjahr haben die Berliner in sieben Heimspielen nur zwei Tore erzielt.
Für Hertha geht es ans Eingemachte. Wenn gegen Schalke nicht gewonnen wird, gibt es keinen Ausweg mehr. Der Abstieg würde besiegt sein. Schon jetzt scheint das Berliner Mamutprogramm (Schalke, Leverkusen, Bayern) eine unüberwindbare Mauer zu sein. Es muss ein Wunder her. Es sollte mit einem Tor im eigenen Stadion beginnen.
Dass die Schalker auswärts zu knacken sind, haben sie unfreiwillig bewiesen und die zwei Niederlagen aus den letzten drei Spielen in der Bundesliga zeugen nicht gerade von starken Nerven in der Endphase der Saison. Ein zusätzlicher Nebeneffekt eines Berliner Sieges wäre, dass die Bayern somit auf dem besten Weg zum vorzeitigen Titelgewinn wären und somit am letzten Spieltag, wenn sie im Olympiastadion zu Gast sind, ohne jegliche Motivation und eventuell sogar mit dem Blick auf das Champions League Finale gerichtet, anreisen.
Eine interessante Wiederholung der Ereignisse wird es an diesem Wochenende in Berlin geben. Schon in der letzten Saison trafen sich beiden Mannschaften zu einem sehr späten Zeitpunkt der Saison (33. Spieltag) in Berlin. Hertha BSC Berlin hätte mit einem Heimsieg die Champions League Teilnahme sichern können. Selbstredend hätten dann nicht alle drei verkauften Stammkräfte (Voronin, Pantelic, Simunic) abgegeben werden müssen, und die Saison wäre anders gelaufen. Wie man es auch – mit sehr viel Konjuktiv – wendet: Diese Begegnung war der wahre Bruch im Gefüge der Hertha.

Fazit:
Obgleich Hertha BSC Berlin und der FC Schalke 04 nicht besonders brisant klingen mögen, doch in diesem Duell steckt aus psychologischer Sicht wohl eine der interessantes Fußball-Geschichten der jüngsten Vergangenheit. Beide Mannschaften haben an diesem Wochenende – und nur an diesem Wochenende -  die einmalige Chance, diese Geschichte zu vollenden. Die Vorzeichen sind andere, doch wieder kann eine Mannschaft die Champions League Teilnahme sichern. Hertha kann dem Spuck ein Ende bereiten und die letzte Ausfahrt vor der 2. Bundesliga nehmen.

Quoten:
Hertha BSC Berlin: 4.30 @ betfair
Unentschieden: 3,90 @ bwin
FC Schalke 04: 1,95 @ betsson















































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