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Österreich – Das war die Herbstsaison 2009! Teil 1


14. Dezember 2009 / dominic
Fussball-News

Mit dem Schlusspfiff beim gestrigen Sonntagsspiel zwischen Sturm Graz und der Wiener Austria ist auch die Herbstsaison 2009 beendet. Damit ist es an der Zeit einen kleinen Rückblick - gespickt mit ein paar Prognosen für das Frühjahr – zu starten.

Der Herbst 2009 ist für den österreichischen Fußball wohl der erfolgreichste seit vielen, vielen Jahren. Alle vier Euro-Fighter konnten sich für die Europa League qualifizieren und einige Achtungserfolge feiern. Der Respekt vor österreichischen Teams ist in diesem Jahr sicherlich gestiegen. Doch die Doppelbelastung ist auch für viele Teams ungewohnt – in den letzten Jahren verabschiedete man sich ja immer sehr früh aus Europa. Unsere vier Europa-League Vereine geben auch den Ton an in der heimischen Bundesliga. Die Tabelle nach 19 von 36 Spieltagen sie wie folgt aus:

 

Tabelle Österreichische Bundesliga
Team Punkte
1. SK Rapid Wien 41
2. Red Bull Salzburg 39
3. Austria Wien 36
4. SK Sturm Graz 30
5. SV Josko Fenster Ried 27
6. SC Magna Wr. Neustadt 24
7. SV Mattersburg 23
8. LASK Linz 18
9. SV Kapfenberg 18
10. Austria Kärnten 7

 

SK Rapid Wien

Die Saison begann mit einem Paukenschlag für die Anhänger von Grün-Weiß. Das perfekt harmonierende Sturmduo Hoffer/Maierhofer wurde verloren. Hoffer ging schon vor dem ersten Saisonspiel zum italienischen Klub Napoli und Maierhofer verabschiedete sich mit einem Tor im Derby gegen die Austria Richtung England – zu den Wolverhampton Wanderers. "Maierhoffer" erzielte im letzten Jahr zusammen 50 Tore – ein Spitzenwert.

Ohne das Sturmduo dachten viele Experten, dass Rapid in eine sehr schwere Saison gehen wird. Doch der letztjährige Stürmer #3 Nikica Jelavic und Last-Minute-Einkauf Hamdi Salihi (vom SV Ried) machen ihre Sache sehr gut und treffen auch. (Salihi 10 Tore, Jelavic 8 Tore).

In der Europaleague konnte man sich gegen Aston Villa durchsetzen und somit unerwartet in die Gruppenphase einziehen. Da lief es zu Beginn auch sehr gut (Sieg gegen den HSV und X gegen Celtic Glasgow) doch dann kam der Einbruch in der Europa League (1-5 und 0-3 gegen Tel Aviv und 0-2 gegen den HSV) und somit ist man nach fünf Spielen schon ausgeschieden.

Doch in der Liga läuft es für die Grün-Weißen absolut nach Plan. Lediglich zwei Niederlagen und der Herbst- sowie Wintertitel für den österreichischen Rekordmeister. Das Rezept des Erfolges? Trainer Peter Pacult ist ein Trainer, welcher mit jungen Spieler super arbeiten kann und diese auch am Boden halten kann. Einen Christopher Trimmel kannte vor der Saison so gut wie niemand – mittlerweile ist er Nationalspieler.

Das Erfolgsrezept von Grün-Weiß ist ein gut gemischtes Team mit jungen, hungrigen Talenten (neben Trimmel auch Spieler wie Pehlivan, Drazan und Kavlak) und erfahrenen Spieler (wie Neuzugang Soma, Patocka, Payer, Boskovic) und einem genialen Spielmacher und Freistoßschützen - Steffen Hofmann.

 

Prognose für das Frühjahr

Rapid wird sicherlich ein sehr großes Wort in Sachen Meistertitel mitreden – und kann sich im Frühjahr nur noch auf die Liga konzentrieren. Sollten die jungen, hungrigen Talente weiterhin ihre Leistung konstant abrufen können, wird sich die Millionentruppe aus Salzburg warm anziehen müssen und sich auf einen harten Kampf einstellen. Zuzutrauen ist es den Grün-Weißen nach den gezeigten Leistungen auf alle Fälle.

 

Red Bull Salzburg

Patrick Jezek sei Dank! Dank dem kleinen Techniker erleben die Red-Bull-Dosen den erfolgreichsten Herbst ihrer jungen Geschichte. Mit seinem Tor in der Schlussphase in Irland sicherte er den Bullen das Weiterkommen. In folge dessen konnte Zagreb ausgeschaltet werden und gegen Maccabi Haifa schied man in der letzten Runde aus. Doch in der Europa League wussten die Salzburger zu überzeugen. 5 Spiele – 5 Siege; so lautet die eindrucksvolle Bilanz des FC Salzburg in der Europa League (Sponsornamen sind dort verboten, deshalb FC). 

Mit der Verpflichtung von Dietmar Beiersdorfer anstelle von Heinz Hochhauser wurde auch neben dem Spielfeld ein sehr kompetenter Mann geholt. HH konnte in seiner Amtszeit mit vielen Fehleinkäufen glänzen und Transferperiode für Transferperiode gab es viele Veränderungen. So auch dieses Jahr. Doch mit den Last-Minute-Einkäufen wie Rabiu Afolabi und Nikola Pokrivac konnten zwei wirkliche Verstärkungen geholt werden. Afolabi ist im Dress der Bullen sogar noch komplett ungeschlagen.

Doch die roten Bullen besitzen zwei Gesichter. In der Europa-League werden starke Leistungen geboten und Siege gegen Lazio und Villareal waren völlig verdient – doch gerade in den letzten Wochen war das Gesicht der Salzburger in der Liga ein komplett anderes. Zum Teil hatte man das Gefühl, dass die Liga als Selbstläufer und lästige Pflicht angesehen wird. Gegen Rapid und Sturm Graz setzte es zweimal ein 0-0 und am letzten Spieltag konnte ein äußerst glücklicher – aber verdienter – Sieg gegen das abgeschlagene Schlußlicht aus Kärnten gefeiert werden. Erst in den Schlussminuten wurde der 1-0 Sieg durch ein Eigentor fixiert. 

Trainer Huub Stevens hat eine komplett andere Philosophie als der letztjährige Meistertrainer Co Adriaanse. Vor allem der österreichische Toptorschütze Marc Janko bekam/bekommt dies zu spüren. Er muss viel mehr arbeiten und bekommt bedeutend weniger Bälle. Die Grundausrichtung der Salzburger ist in diesem Jahr viel defensiver – und dementsprechend auch weniger Gegentore – jedoch geht nach vorne oft zuwenig. 

 

Prognose für das Frühjahr

Red Bull ist sicherlich der große Favorit auf den Titel. Das hohe Budget und der international erfahrene Kader muss auch im Frühjahr die Doppelbelastung Europa League und Liga ohne Probleme bewältigen können und in der Liga mit dem nötigen Ernst auftreten – dann kann und wird der Meistertitel nur über Red Bull Salzburg führen. Sollte jedoch das Auftreten der letzten Spiele sich im Frühjahr fortsetzen, so wird es keinen Meistertitel für Red Bull geben.

 

Austria Wien

Die Wiener Austria fährt eine neue Linie. War in Zeiten Stronachs der Ausländeranteil in Lager der Violetten noch sehr hoch, so ist davon nicht mehr viel zu sehen. Die Austria setzt mehr und mehr auf junge, hungrige und vor allem heimische Talente. Mit den Neuverpflichtungen wie Junuzovic, Baumgartlinger, Liendl, Klein, Vorisek und Jun konnte das Team gezielt verstärkt werden. Zu Beginn der Saison spielten die Violetten auch einen sehr schönen Fußball – doch dann schlug der Verletzungsteufel zu. Die zwei Topstürmer Rubin Okotie und Tomas Jun verletzten sich schwer. Bei Okotie wurde ein Knorpelschaden diagnostiziert und Tomas Jun riss sich das Kreuzband. 

Doch die Austria zeigte Moral und spielte auch in der Folge recht gut – jedoch sah man das Fehlen eines Topstürmer. Mamadou Diabang und Schumacher sind kein ädequater Ersatz. In den letzten Spielen avancierte der Spielmacher Milenko Acimovic mehr und mehr zum Goalgetter. Die Wiener werden sicherlich froh sein, dass nun die Pause kommt und hoffen dann mit Jun und Okotie nochmals in den Kampf um den Titel eingreifen zu können.

In der Europa League waren die Wiener nicht gerade vom Glück verfolgt. In Bilbao gab es schon sehr strittige Situation gegen die Violetten. Gegen Bremen wurde ein reguläres Tor sowie ein klarer Elfmeter aberkannt und gegen Bilbao waren bei der 3-0 Niederlage alle drei Tore irregulär. Somit ist man auch bereits nach fünf Spielen ausgeschieden.

Für den unrühmlichen Höhepunkt haben einmal mehr die "Fans" gesorgt. Nach dem zweiten irregulären Treffer der Spanier stürmten ein paar Anhänger das Spielfeld und das Spiel wurde für 25 Minuten unterbrochen und stand kurz vor dem Abbruch. 

 

Prognose für das Frühjahr

Im Frühjahr wird mit der Austria sicherlich wieder zu rechnen sein. Wenn Jun und Okotie fit werden und an ihre Leistungen anschließen können, dann wird die Meisterfrage wohl ein spannender Dreikampf. Nochmals ein halbes Jahr ohne wirklichen Torjäger wird die Austria nicht überstehen können – und dann wird es maximal Platz drei werden. 

 

Sturm Graz

In den letzten Wochen merkte man den Grazern an, dass sie sehr, sehr froh sind, dass die Winterpause endlich beginnt. Sturm ist ein Team, welches hauptsächlich aus jungen Talenten besteht und lediglich 2-3 erfahrenere Spieler besitzt. Die Doppelbelastung mit der Europa League war für die jungen Talente wie Beichler, Jantscher und Foda letztendlich zuviel. Im Vergleich zum Saisonanfang waren die Leistungen in den letzten Spielen nicht mehr so gut und deshalb verlor man auch mehr und mehr Boden an das Spitzentrio. 

Zudem wurden die Schwächen in der Europa League aufgezeigt. Man spielte gefällig und sehr gut mit, doch die Chancenauswertung und die Cleverness waren das große Manko im Spiel der Blackies. Somit hat man in der Europa League nach fünf Spielen lediglich einen Punkt. Zwar gab es in jedem Spiel gute Chancen und man wurde oft unter Wert geschlagen – doch davon können sich die Grazer auch nichts kaufen. Und das Problem der Chancenauswertung kann man problemlos auf die Liga umlegen. Symptomatisch dafür die 88te Minute beim gestrigen Spiel gegen die Wiener Austria. Klemen Lavric (ehemals Duisburg) bekam am Elfmeterpunkt freistehend den Ball und schob ihn am leeren Tor (Safar war nicht mehr im Gehäuse) vorbei. Zwar ist der Ball aufgesprungen, doch in so einer wichtigen Phase muss es klingeln.

 

Prognose für das Frühjahr

Die Grazer spielten in den vergangenen Jahren oftmals einen sehr, sehr guten Herbst und dann kam der Einbruch. Das Team von Franco Foda ist sehr jung und größtenteils unerfahren. Und dementsprechend schwankend waren in der Vergangenheit die Leistungen. Foda ist ein sehr guter Trainer – und wird nicht umsonst immer mit deutschen Clubs in Verbindung gebracht – und wird die Entwicklung der Jungen sicherlich weiter forcieren. Doch der Rückstand auf die Top3 ist zu groß. Zwar fällt die Doppelbelastung weg, dennoch wird es mehr als Platz vier für die Blackies nicht werden. Jedoch darf man sich auf die Spiele im Frühjahr freuen – weil größtenteils spielen die Jungen einen sehr ansehnlichen und schnellen Tempofußball. 

 

SV Ried

Die Heimstätte der Rieder heißt "Keine Sorgen Arena" – dementsprechend keine Sorgen haben die Innviertler auch bei den Heimspielen. In der letzten Saison war man zuhause sogar ungeschlagen. In dieser Saison gab es zwar zwei Heimniederlagen aber dennoch spielen die Innviertler eine überragende Saison. Das Budget des Klubs ist sehr klein und dementsprechend passiv muss man auf dem Transfermarkt agieren. Kurz vor Transferschluß verlor man noch den Toptorjäger Hamdi Salihi und konnte sich mit einer Leihe von Adthe Nuhiu (von Austria Kärnten) einen weiteren jungen Österreicher dazuholen. 

Mit Trainer Paul Gludovatz (der Erfolgstrainer der österreichischen U-20 WM Erfolgsmannschaft) besitzen die Innviertler einen Mann der mit jungen, hungrigen Talenten sehr gut arbeiten kann. Die Rieder haben mit Glasner, Drechsel, Lexa und Nacho vier erfahrene und routinierte Spieler. Die anderen Feldspieler sind jung, jünger und noch jünger. Der oben genannte Nuhiu kam in Kärnten kaum zum Einsatz – bei den Riedern ist er neben Nacho gesetzter Stürmer. In de Vergangenheit hat der SV Ried oft gezeigt, wie ein kleiner Fußballklub in Österreich funktionieren muss. Nach der Philosophie von Ajax Amsterdam aus den 90er Jahren ist man ein reiner Ausbildungsklub/Weiterbildungsverein und verkauft die Spieler dann an die größeren Klubs. Beispiele hierfür wären Franz Schiemer und Andreas Ulmer (mittlerweile beide bei Red Bull Salzburg) und Emin Sulimani (Austria Wien). 

Zwar besitzen die Oberösterreicher keinen Topmann doch mit viel Herz, Kampf und Leidenschaft kann man in der österreichischen Bundesliga bestehen. Platz fünf mit 27 Punkten ist ein sehr erfolgreicher Herbst und darauf lässt sich im Frühjahr aufbauen. Die Gespräche um eine vorzeitige Vertragsverlängerung mit Paul Gludovatz werden im neuen Jahr starten – und solange er das Zepter schwingt wird der SV Ried sich glücklich schätzen können. Paul Gludovatz und der SV Ried – das passt wie die Faust aufs Auge. Ein Verein der österreichische Spieler forciert mit dem wohl besten Trainer für solche Spieler. Man darf gespannt sein wer der nächste Ried-Spieler sein wird, der den Weg in die weite, große Fußballwelt betreten wird. 

 

Prognose für das Frühjahr 

Wie bereits oben erwähnt ist die Basis für ein sorgenloses Frühjahr gegeben und mit ein bisschen Glück kann man den Grazern den vierten Platz noch streitig machen. Zu Neuverpflichtungen wird es im Winter bei den Innvierteln sicherlich nicht kommen – da das nötige Geld fehlt. Mit dem selben Auftreten wie im Herbst werden die Oberösterreicher Platz fünf wohl problemlos für sich behaupten können. Einen Angriff auf Sturm wird es, denke ich, kaum geben. Ohne die Doppelbelastung ist Sturm sicherlich noch eine Stufe über Ried anzusiedeln.

 

Dies war der erste Teil des Rückblicks auf die österreichische Bundesliga – morgen folgt die zweite untere Hälfte der Tabelle. Ich hoffe, dass es dem ein oder anderen Spaß gemacht hat, den Rückblick durchzulesen. (Link zum zweiten Teil)



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