Neuer Wettskandal im Fußball:Ausmaß weit schlimmer als befürchtet
20. November 2009 / pedro
Fünf Jahre nach dem allen noch in schlechter Erinnerung gebliebenen Fall Robert Hoyzer erschüttert ein neuer Wettskandal im europäischen Fußball den gesamten Kontinent,der in seinem Ausmaß alle bekannten Dimensionen zu sprengen scheint.
In einer soeben beendeten Pressekonferenz der mit den Ermittlungen beauftragten Staatsanwaltschaft in Bochum wurde bekannt,daß diese schwerpunktmässig wegen gewerbsmässigem Bandenbetrug gegen 200 Personen ermittelt.Zwar wurden im Hinblick auf das laufende Verfahren weder Namen der verdächtigen Personen noch der betroffenen Vereine preisgegeben,doch stehen seit Anfang des Jahres mehr als 200 Spiele in 9 Ländern unter Manipulationsverdacht.Neben Deutschland sind vor allem Erst-und Zweitligaspiele in Belgien,Österreich,Schweiz,Kroatien,Slowenien,Türkei,Ungarn und Bosnien betroffen.Weitaus alarmierender ist die Tatsache,daß auch 12 Spiele der Europa-Liga und 3 aus der Champions-League wegen eindeutiger Hinweise im Fokus der Ermittler stehen.Selbst Begegnungen der EURO 2008 sind möglicherweise betroffen.
In Deutschland selbst schien zunächst nur das im Juli ausgetragene Freundschaftsspiel zwischen dem SSV Ulm 1846 und Fenerbahce Istanbul(0-5) tangiert zu sein,wo auffällige hohe Wetten auf das korrekte Endergebnis platziert wurden.Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft stehen jedoch insgesamt 32 Spiele unter dem eindeutigen Verdacht zumindest einer versuchten manipulativen Beeinflussung;darunter 4 Zweitligaspiele,3 Drittligaspiele,18 Regionalligaspiele,5 Oberligaspiele und 2 Paarungen der U 19.
Konkrete Hinweise gibt es u.a. gegen Spieler des Zweitliga-Absteigers VfL Osnabrück hinsichtlich der Auswärtsspiele in München(0-3) und Nürnberg(0-2).
Nachdem hierzulande in den letzten Tagen insgesamt 15 Personen festgenommen wurden,befinden sich darunter auch die als Hauptverdächtige geltenden Brüder Ante und Milan Sapina aus Berlin,die seinerzeit bereits in der Hoyzer-Affäre zu den Dahtziehern gehörten und zu Haftstrafen verurteilt wurden.Daneben sind das Ruhrgebiet und Süddeutschland Tatschwerpunkte der bandenmässig agierenden Verdächtigen.
Zur Vorgehensweise selbst wurde ausgeführt,das von bestimmten Personenkreisen hohe Geldbeträge zur Verfügung gestellt wurden,die bei mehreren Wettanbietern vornehmlich in Asien,aber auch in Europa platziert wurden.Dabei wurden sowohl Offizielle,Spieler als auch Schiedsrichter insbesondere auch in Top-Ligen nachweislich bestochen.Der entstandene Schaden wird auf über 10 Millionen Euro taxiert,was aber nach Angaben der Staatsanwaltschaft nur die Spitze des Eisbergs darstellt.Warum das von UEFA und DFB vor etwa zwei Jahren installierte Frühwarnsystem "Betradar" keine Auffälligkeiten hinsichtlich der aussergewöhnlich hohen Beträge vornehmlich auf sog.Spezialwetten wie z.B. Halbzeit/Endstand oder korrektes Endergebnis signalisierte,ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch ungeklärt.
Wenn sich das kontinentale Entsetzen vor allem über das verheerende Ausmaß der Manipulationen gelegt hat,sollten sich UEFA,nationale Fußballverbände und die Regierungen der betroffenen Länder zusammen setzen,um wirksame Präventiv-Maßnahmen zu besprechen.Hierber sollte auch das insbesondere in Deutschland zu laxe Strafmaß für derartige Delikte hinterfragt werden.Sowohl Schiedsrichter Hoyzer als auch die Gebrüder Sapina wurden damals lediglich zu geringen Haftstrafen verurteilt,die grösstenteils auch noch zur Bewährung ausgesetzt wurden.
Klar in der Pflicht stehen auch die Buchmacher.Zwar wurden die manipulativen Wetten überwiegend bei chinesischen Wettunternehmen platziert,gleichzeitig aber auch bei europäischen.
Diese sehen sich einem zunehmenden Wettbewerb ausgesetzt,der insbesondere im Fußballbereich eine kollektive Angebotsfülle erreicht hat,die selbst gestandene Wetter irritiert.So sind neben Bets auf so banale und sportlich unbedeutende Aspekte wie "wer hat Anstoss" oder "erster Eckball" mittlerweile auch Wetten auf Spiele bis hinab zur 6.Liga möglich.Zwar "verlangen" die meisten Anbieter eine Kombi von mindestens 3 Spielen,doch steht bei einigen hierfür das gesamte und meist sehr reichhaltige Spielprogramm zur Verfügung.Gerade bei zeitversetzt stattfindenden Paarungen ist hier bei Manipulation bereits einer unterklassigen Begegnung und zwei niedrigquotierten weiteren Spielen bei entsprechender Absicherung einem Missbrauch Tür und Tor geöffnet.
Ich selbst kenne einen Oberliga-Torhüter(5.Liga) recht gut und habe mit diesem die fiktive Probe aufs Exempel gemacht.Hätte ich ihn bestochen,wäre mir bei zumindest zwei Bookies in Kombination mit 2 später stattfindenden sog.sicheren Spielen auch wegen des nicht eben geringen Einsatzlimits ein erquicklicher Gewinn sicher gewesen.Natürlich hab ich den Keeper nicht bestochen und die Wetten auch nicht abgesendet.
Wenn es selbst für mich mit mässig krimineller Energie ausgestattetem Normalverbraucher derart leicht gemacht wird;wie erst für professionelle Betrüger.
Gerade die renommierten Anbieter sollten hier mit gutem Beispiel vorangehen und sowohl unterklassige Spiele als auch bedeutunglslose Freundschaftskicks mit unsicheren Kantonisten aus dem Programm nehmen.Eine situative Senkung des Einsatzlimits wäre bereits ebenfalls ein guter Anfang.
Die professionellen Gaunereien können damit wohl nicht verhindert werden,aber es ist möglicherweise ein erster Schritt heraus aus der Grauzone des Sportwettenbereichs,der wohl aufgrund der jüngsten Vorkommnisse erst mal richtig in Verruf kommen wird.
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Schlagwörter: Europa, Staatsanwaltschaft, Wettskandal





