Freitagsspiel am 2. Spieltag: 1. FC Kaiserslautern – FC Bayern München
26. August 2010 / joe
Am Freitag, den 27. August 2010, eröffnen der 1. FC Kaiserslautern und der FC Bayern München den zweiten Spieltag der neuen Bundesligasaison. Besonders in so einer frühen Phase der Saison geht das Spiel als Klassiker. Die ersten Gedanken, die einem in den Sinn kommen, wenn man über diese Begegnung nachdenkt, beziehen sich vermutlich alle auf die Saison 97/98. Wie auch heute waren die Pfälzer damals aus der zweiten Liga aufgestiegen und mussten in der frühen Phase der Saison – damals am ersten Spieltag – gegen die Bayern spielen. Zusätzliche Brisanz hatte das Spiel, weil Otto Rehhagel mit Kaiserslautern aufgestiegen war, nachdem er bei den Bayern rausgeworfen worden war. In einem wirklich historischen Spiel gewann Kaiserslautern auswärts bei den Bayern mit 1:0. Das Bild des Otto Rehhagel wie er jubelnd durch das Olympiastadion läuft und den Auftaktsieg feiert als hätte er soeben die Deutsche Meisterschaft gewonnen ist wohl jedem im Gedächtnis geblieben. In dieser Saison schaffte es Otto Rehhagel mit Kaiserslautern sofort nach dem Aufstieg die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen. Am vorletzten Spieltag waren die Pfälzer durch ein 4:0 über den VfL Wolfsburg schon nicht mehr einzuholen.
Kaiserslautern wird in dieser Saison mit Sicherheit nicht Deutscher Meister, auch hat Marco Kurz noch nie beim Rekordmeister gearbeitet und doch schwingt in diesem Spiel etwas mehr Brisanz als sonst mit. Eine Sensation wäre es zumindest, sollten die Pfälzer gegen den FC Bayern München gewinnen.
Anstoß der Begegnung ist um 20:30 Uhr.
1. FC Kaiserslautern:
Besser hätte es für die Mannschaft von Trainer Marco Kurz nicht laufen können. Wenn man beim Saisonauftakt auswärts gegen einen direkten Konkurrenten gewinnt, dann kann das getrost als optimal bezeichnet werden. Der Auswärtssieg beim 1. FC Köln (3:1) hat die Pfälzer zudem aus einer misslichen Lage befreit. Denn wenn man mit leeren Händen aus Köln zurückgekommen wäre, und am zweiten Spieltag eine Niederlage gegen den amtierenden Deutschen Meister aus München einkalkuliert hätte, dann hätte man am dritten Spieltag in Mainz schon enorm unter Druck gestanden, um einen Fehlstart zu vermeiden. Doch nun ist es besser gelaufen für die Pfälzer. Die drei Punkte aus Köln geben der Mannschaft die Bestätigung in der Liga angekommen zu sein und mithalten zu können. Wahrscheinlich ist der psychologische Effekt deutlich wertvoller als die drei Zähler auf dem Punktekonto.
Doch Marco Kurz wird wissen, dass der Auswärtssieg in Köln zwar enorm positiv ist, doch das insbesondere spielerisch diese Leistung nicht das Gelbe vom Ei sein kann. Denn wer das Spiel zwischen Kaiserslautern und Köln am ersten Spieltag über 90 min verfolgt hat, der weiß, dass der Volksmund es wahrscheinlich mit "Not gegen Elend" tituliert hätte. Auch wird es einem nicht jeder Gegner schon nach 82 Sekunden durch einen Platzverweis so leicht machen wie die Domstädter. Außerdem sollten weitere eklatante Torwartfehler im Saisonverlauf tunlichst vermieden werden. Ein perfekter Start also – mit Schattenseiten.
Da der ganz große Druck zunächst weg ist, können die Pfälzer gegen den Rekordmeister vor heimischer Kulisse recht befreit aufspielen. Das Publikum wird eigentlich nur Einsatz und Kampf fordern. Die typischen Tugenden des Abstiegskampfes. Vor ausverkauften Haus wird Marco Kurz eine extrem motivierte Mannschaft auf den Platz schicken können.
FC Bayern München:
Wenn man nach der ersten Halbzeit zwischen Bayern und Wolfsburg den Fernseher verlassen hatte, um zur zweiten Halbzeit etwas zu spät zurück kam, traute man seinen Augen kaum: Wolfsburg hatte ausgeglichen! Im ersten Durchgang hatten die Bayern noch überhaupt keine Probleme mit dem schwachen Wolfsburger Offensiv-Spiel, doch mit der Hereinnahme von Misimovic gelang es den Niedersachsen mit mehr Gefahr vor das Münchner Tor zu kommen. Nach einer Unsicherheit von Butt erzielte der Wolfsburger Stürmerstar Edin Dzeko nach der folgenden Ecke – getreten von Misimovic – den Ausgleich. Zwar durchaus verdient aber dann doch mit einer gehörigen Portion Glück rettete Bastian Schweinsteiger in der nach Spielzeit den Saisonauftakt der Mannschaft von Louis van Gaal (2:1).
Mit diesem Auftaktsieg stehen die Bayern kurioserweise jetzt schon besser da als am dritten Spieltag der letzten Saison. Im ersten Jahr von Louis van Gaal erlebte man mit einem Unentschieden in Hoffenheim und gegen Bremen, sowie einer Niederlage in Mainz alles andere als einen guten Auftakt. Es brauchte bis zum vierten Spieltag bis die Bayern ihren ersten Sieg landeten – 3:0 gegen Wolfsburg. In dieser Spielzeit scheint es also deutlich besser zu laufen für den Rekordmeister: das kann man schon nach dem ersten Spieltag sagen. Mit einem Sieg in Kaiserslautern kann man sich von Beginn an in der Spitzengruppe etablieren. Eine ruhige und unkomplizierte Bundesligasaison wird für den Deutschen Meister von enormer Relevanz sein, denn nicht nur im Pokal sondern viel mehr in der Champions League werden die Münchner gefordert sein. Durch den Ausfall von Leistungsträgern wie Arijen Robben und (kurzfristig auch) Ivica Olic wird das Tanzen auf drei verschiedenen Hochzeiten den Kader stark belasten. Man kann es sich also nicht erlauben schlechthin die Saison zu starten.
Personell hat Trainer Louis van Gaal mit Martin Demichelis ein neues Problem. Der Argentinier zeigt sich nach seiner Degradierung zum dritten Innenverteidiger jugendlich bockig und versucht eine Trennung zu provozieren. Beim Saisonauftakt stand der Argentinien nicht im Kader. Vermutlich wird sich das gegen Kaiserslautern nicht ändern. Auch in der Offensive bleiben Louis van Gaal aufgrund von oben genannten Ausfällen nicht viele Möglichkeiten. Allein in der Spitze ist er mit Miroslav Klose und Mario Gomez momentan gut besetzt.
Trotz kleineren negativen Impulsen, die die Favoritenrolle der Bayern gegen Kaiserslautern etwas mindern, darf es für den Rekordmeister nur ein Resultat geben: Einen Auswärtssieg!
Head to Head:
Wer sagt, dass die letzten Vergleiche der beiden Mannschaften nicht besonders aussagekräftig sind, hat nicht ganz unrecht. Es ist durchaus richtig, dass die meisten Begegnungen schon lange zurückliegen. Und doch bleibt zu bemerken das Kaiserslautern in diesem Jahrtausend noch nie gegen die Bayern gewonnen hat. So endeten neun der letzten 10 Aufeinandertreffen mit einem Sieg der Süddeutschen. Der letzte Punktgewinnen der Pfälzer datiert aus dem Jahre 2002.
Fazit:
Auch wenn sich Geschichte manchmal wiederholt, ist ein Sieg der Pfälzer über die Bayern momentan sehr unwahrscheinlich. Es stimmt, dass die Bayern nicht mit der Erfolgs-Elf aus dem letzten Jahr antreten. Es stimmt, dass die Bayern am ersten Spieltag nicht überzeugen konnten und nur mit viel Glück gewannen. Allerdings bleiben die Bayern die Bayern sind in diesem Spiel der haushohe Favorit. Selbst ein Unentschieden wäre eine Überraschung. Denn auf dem Weg zu einer weiteren deutschen Meisterschaft darf man sich nun mal nicht von einem Aufsteiger bremsen lassen. Da kann die Geschichte so verlaufen sein wie sie will!
Quoten:
1. FC Kaiserslautern: 6,75 @ expekt
Unentschieden: 4,25 @ betsafe
FC Bayern München: 1,50 @ betsson
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