FC Barcelona – FC Arsenal London | Champions League Viertelfinale
6. April 2010 / joe
Am Dienstag, den 6. April 2010, trägt der FC Barcelona gegen den FC Arsenal London im Camp Nou in der spanischen Küstenstadt das Rückspiel des Champions League Viertelfinals aus. Am gleichen Abend spielen außerdem noch der ZSKA Moskau und Inter Mailand in Russland einen Halbfinalisten aus. Die Sieger der beiden Viertelfinals treffen im Halbfinale aufeinander. Inter Mailand hat das Hinspiel gegen Moskau zu Hause gewonnen (1:0).
Im Hinspiel zwischen Arsenal London und dem FC Barcelona ging es heiß her. In der Anfangsphase der Begegnung waren die Katalanen deutlich überlegen und schnürrten die Engländer dermaßen ein, dass sogar die In-Play Quoten auf einen Sieg der Spanier während des Spiels beim Stande von 0:0 stark sanken. Obwohl Barcelona zur Halbzeit nicht führte, war die Quote auf einen Auswärtssieg deutlich geringer als zu Spielbeginn. Mit zwei schnellen Toren nach der Halbzeit schien Barcelona das Spiel für sich entschieden zu haben, doch irgendwie gelang es dem FC Arsenal doch noch das Blatt zu wenden. Durch ein Tor von Theo Walcott, der auf der rechten Seite durchgebrochen war, und aus halbrechter Position flach einschob, kam Arsenal ins Spiel zurück. Victor Valdez im Tor der Katalanen sah beim Gegentor nicht gut aus. Arsenal drückte nun und wurde mit einem Elfmeter nach Foul von Puyol, der daraufhin die Rote Karte sah, an Fabregas belohnt. Der Spanier verwandelte selber, verletzte sich dabei jedoch. Arsenal hatte bereits drei Mal gewechselt und konnte dementsprechend die nummerischen Überlegenheit nicht mehr gebührend ausspielen. Am Ende trennten sich beide Teams in einem hervorrangen Champions League Spiel Unentschieden (2:2).
Der Schiedsrichter im Rückspiel ist der Deutsche Wolfgang Stark. Anstoß des Spiels ist um 20:45 Uhr.
FC Barcelona:
"Eigentlich unser bestes Champions League Spiel in dieser Saison", hallte es am Tag nach dem Hinspiel geschlossen aus der Kabine der Katalanen. Zwar hatte man am Vorabend den sichergeglaubten Halbfinaleinzug leichtfertig aus beiden Händen gleiten lassen, und doch strahlten die Spieler wie auch das Trainerteam Optimismus aus. Dass sich die Mannschaft nicht in Grund und Boden reden würde, war abzusehen, aber die Reaktionen der Katalanen fielen deutlich positiver aus als erwartet. Wie realisitisch der Verein die "Niederlage" hingenommen hat, muss jeder für sich selbst beantworten, denn es ist und bleibt ein hohes Unentschieden auswärts. Nicht verloren und zwei Tore geschossen ist prinzipiell eine gute Ausgangsposition. Der schlechte Nachgeschmack bleibt. Man hätte mit zwei Toren Vorsrpung nach Hause fahren und sich viel ruhiger auf dieses Rückspiel vorbereiten können.
Stattdessen muss Trainer Pep Guardiola das Spiel vom Dienstagabend zum "Spiel des Jahres" ausrufen. Hatte er Tags zuvor noch die Journalisten mit der Abwertung des Clasicos gegen Real Madrid zu "dem unwichtigesten Spiel", das noch anstünde, überrascht, ging Guardiola bei der vorbereitenden Pressekonferenz für das Arsenal-Spiel gehörig in die Offensive. "Dieses Spiel wird unsere gesamte Saison beeinflussen". Recht hat er, denn momentan kann sich Barca gegenüber Real nur damit brüsten, in der Champions League noch im Wettbewerb zu sein. Im spanischen Pokal (Copa del Rey) sind beide Ausnahmemannschaften der Primera Division ausgeschieden. In der Liga stehen sie punktgleich an der Tabellenspitze. Sollte Barca nun gegen Arsenal die Segel streichen müssen, bestünde für Barca die große Gefahr – im Fall eines madrilenischen Meisterschaftgewinns – nicht nur ohne Titel, sondern gleichzeitig schlechter als Real Madrid da zu stehen.
Sportlich sieht es für die Azulgrana gut aus. Aktuell haben sie in der Liga wieder in die Spur gefunden. Der wenig ansehnliche Fußball aus vergangenen Wochen ist passé. Mittlerweile ist die Spielkunst wieder in das Camp Nou eingekehrt. Die letzten fünf Spiele in der Primera Division wurden im Gleichschritt mit Real Madrid gewonnen. Mit Siegen zu Hause gegen Valencia (3:0) und Osasuna (2:0), sowie auswärts in Zaragoza (4:2) und Mallorca (1:0) konnte man zwar ordentlich punkten und hielt dem Tempo des Erzrivalen stand, doch letztendlich waren diese Siege teilweise glücklicher Natur, teilweise reine Einzelaktionen – meistens von Linoel Messi – und keimten nicht aus einer mannschaftlichen Glanzleistung. Lediglich am letzten Wochenende zu Hause gegen Athletic Bilbao konnte man den FC Barcelona bestaunen wie man ihn aus der letzten Saison gewöhnt war (4:1).
Auffällig in diesem Spiel war besonders die Aufstellung. Guaridola ließ Chygrynskiy von Beginn an in der Innenverteidigung spielen, um dem Ukrainier Spielpraxis für die Champions League zu geben. Außerdem schonte Guaridola Xavi bis zur 53. Minute, gab Busquets und Toure Yaya eine Auszeit und spielte mit Jeffren und später Jonathan mit jungen Gesichtern aus dem Nachwuchs der Katalanen.
Pikant für das Rückspiel – daher auch Guardiolas viele Wechsel im Ligaspiel am Wochenende – sind die Verletztungen und Sperren der Spieler. Auf Seiten Barcelonas fällt mit Iniesta, der wohl weiterhin verletzt ist und vermutlich nicht spielen wird, ein wichtiger Mann im Mittelfeld aus. Außerdem ist die komplette Stamminnenverteidigung gesperrt: Puyol (Rotsperre) und Pique (Gelbsperre) müssen ersetzt werden. Der Einsatz von Zlatan Ibrahimovic ist fraglich, da er vor dem Spiel gegen Athletic Bilbao beim Aufwärmen nicht rund lief und mit muskulären Problemen draußen blieb.
FC Arsenal London:
Die Londoner können es wohl kaum fassen. Wer zu Hause im Hinspiel, in einem Spiel, in dem man versucht möglichst keine Gegentore zu kassieren, nach einer Stunde mit 2:0 hinten liegt und bis zu diesem Zeitpunkt hoffnungslos unterlegen ist, hat sich mental schon von der Möglichkeit das Halbfinale zu erreichen verabschiedet. Doch als sich alles gegen Arsenal gewendet hatte – damit sein keinesfalls gemeint, dass die Londoner Pech hatten bis dahin, sondern viel mehr, dass sie keine Chance hatten – gelang den Londoner der Anschlußtreffer und später sogar der Ausgleich. In Überzahl, jedoch mit einem verletzten Cesc Fabregas auf dem Feld, hatten die Londoner sogar noch die Chance zu gewinnen. Das wäre abllerdings eindeutig zu viel des Guten gewesen, da schon das Unentschieden als ein optimales Ergebnis angesehen werden darf. Seydou Keita vom FC Barcelona formutlierte das wie folgt: "Eigentlich war es ein Spiel, dass wir 5:2 gewinnen". Er traf den Nagel auf den Kopf. Doch durch die vielen vergebenen Torchancen von Barcelona stand am Ende der Spielzeit plötzlich die unterlegende Mannschaft mit einem Unentschieden als moralischer Sieger da. Und als moralischer Sieger da zu stehen, ist im Sport sehr viel wert. Besonders der Fakt, dass Arsenal in der Lage ist gegen das schier übermächtige Barcelona weiter zu kommen, weil man dagegen halten kann und den Gegner am Rande einer Niederlage hatte, ist ein enormer psychologischer Vorteil.
Mental muss sich bei der Mannschaft von Arsene Wenger langsam ein Spatz im Kopf eingenistet haben, der den Gunners pausenlos erzählt, dass sie viel mehr erreichen können, als sie sich erträumen. Denn am Wochenende gelang es wiederum in der letzten Minute des Spiels verlorengeglaubte zwei Punkte wieder einzuholen. Mit einem Tor in der 90. Minute durch Nicklas Bendtner gewannen die Gunners gegen Wolverhamten (1:0). Mit diesen drei Punkten sind sie nun nur noch drei Zähler vom Tabellenführer (FC Chelsea London) und nur noch einen Punkt von Manchester United entfernt. Arsenal ist – auch aufgrund des leichtesten Restprogramms – noch voll im englischen Titelrennen in der Premier League vertreten.
Diese Euphorie wird Arsenal London beim Champions League Rückspiel im Viertelfinale im Camp Nou benötigen. Denn die Gunners sind nicht für ihre sture Defensive bekannt. Dementsprechend ist es quasi unmöglich mit einer defensiven Taktik gegen Barcelona zu bestehen. Arsene Wenger wird seine Mannschaft frech nach vorne spielen lassen müssen, um zum Erfolg zu kommen. Im Grunde genommen genaus das Spiel des FC Arsenal.
Problematisch könnte es in der Umsetztung vor allem aufgrund personeller Umstruckturierungen werden. Was sich zunächst kompletziert anhört ist auf den Punkt gebracht ganz einfach: Arshawin, Gallas und Fabregas fallen aus. Drei absolute Stammspieler aus der Mannschaft von Coach Arsene Wenger müssen im Camp Nou nicht nur einfach irgendwie ersetzt werden, sondern vollwertig und in Topverfassung. Um weiterzukommen, braucht Arsenal das perfekte Spiel.
Fazit:
Alles oder Nichts. Die Spannung eines Rückspiels ist insbesondere nach so einem Hinspiel nicht zu überbieten. Die Ausgangssituationen der beiden Mannschaften sind so verschieden wie Werner Lorant und Zvonimir Soldo. Für Arsenal bedeutet das Spiel die Chance den Favoriten auf den Titelgewinn raus zu kegeln. Durch die vielen Ausfälle und die Überlegenheit der Katalanen kann die Mannschaft von Arsene Wenger nichts verlieren. Ganz anders ist das auf der gegenüberliegenden Seite, auf der Seite der Katalanen. Der FC Barcelona muss unbedingt weiterkommen. Selbst die Ausfälle in der Verteidigung werden nicht als Ausrede gelten, wenn es am Ende nicht gereicht hat. Pep Guardiola hat das Spiel zu Recht als "Spiel des Jahres" ausgerufen, denn im nationalen Vergelich mit Real Madrid und zur Befriedigung der eigenen Ansprüche darf Barca diesen "Vorsprung" aus dem Hinspiel nicht hergeben. Unter keinen Umständen.
Quoten:
FC Barcelona: 1,36 @ totesport
Unentschieden: 6,20 @ betfair
FC Arsenal London: 9,00 @ unibet
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