12. Spieltag der Primera División, El Clásico: FC Barcelona – Real Madrid
28. November 2009 / joe
Am Sonntag, den 29. November, kommt es um 19 Uhr zum großen Showdown der Hinrunde der Primera Division: Das "270-Millionen Real Madrid" gastiert beim "FC Triple Barcelona". Wenige, nur sehr wenige 90 Minuten Fußball können es mit diesen neunzig Minuten aufnehmen. Selbstverständlich handelt es sich um ein unumstrittendes Spitzenspiel, da der Tabellenerste, aus Madrid, gegen den Tabellenzweiten, aus Barcelona, spielt.
In Spanien gibt es eine journalisitsche Methode, die getrost auch als Weisheit bezeichnet werden darf. Es handelt sich um die Möglichkeit eines spanischen Journalisten, der entweder Verantwortlichen oder Spielern einer Mannschaft sehr nahe steht, eine interne Meinung oder schlicht eine interne Information, die er bekommen hat, publik zu machen, indem er sie in seinen Artikel einfließen lässt. Diese Informationen oder Zitate tauchen in den Artikel meist in direkter Rede auf. Der Redner ist dann "el vestuario" (die Kabine).
Besonders die "Kabine" von Real Madrid ist vor dem Clásico im Camp Nou überdemensional aktiv. So titeln große Sportblätter ihre Berichterstattung mit Zitaten der madrilenischen Kabine wie, beispielsweise, "Wir werden viele Mäuler stopfen" oder "Wir sind zu früh tot geglaubt". Sicherlich birgen diese Zeilen in der deutschen Übersetztung nicht ganz so viel Atmosphäre, doch lassen sie die Rollen vor dem Duell der ewigen Rivalen erkennen: Real Madrid will sich beweisen, will sich rächen. Madrid muss wieder wissen, dass es mit den schier übermächtigen Katalanen mithalten kann – im direkten Duell. In Katalunien wird gerne und häufig an die vergangenen Blamagen der Königlichen in direkten Duellen hingewiesen und so häufig wie möglich das "Triple" (den dreifachen Titelgewinn, Champions League, Copa del Rey und Primera Division) erwähnt. Letztendlich werden für jeden 90 Minuten Fußballhochglanz serviert.
Real Madrid:
Die Rolle von Real Madrid vor diesem Clásico erinnert ein wenig an zwei Geschwister. Der große Bruder peinigt und pisakt den kleineren schwächeren Bruder so lange bis dieser schließlich genauso groß und kräftig ist. In Madrid glaubt man diesen Moment – wenn auch nur durch Zuhilfenahme massiver investorischer Mittel – erreicht zu haben. Sehnsüchtig erwarten die Fans das direkte Duell, um möglichst schnell die Schmach der letzten Saison, in der Barcelona alle drei Titel, das einstige Ziel von Real Madrid, gewann, vergessen zu machen. Die extremen Finanzspritzen, die Real Madrid im Sommer 2009 auf den Transfermarkt geworfen hat, sind die Obligation, den ewigen Rivalen wieder zu besiegen. Das Ergebnis des letzten Duells, welches im Head to Head ausführlicher beschrieben wird, ist in jedem der Königlichen Köpfe veranckert. Einzig die neuen vom Sommertransfermarkt werden das Debakel (2:6) im heimischen Bernabeu nur von außen mitbekommen haben.
Nachdem es im Pokal – Copa del Rey – für die Mannschaft von Manuel Pellegrini ein bitteres Ende gegen den madrilenischen Drittligisten Alcorcon gab (0:4) musste sich Real Madrid den Spott ganz Spaniens, wenn nicht sogar ganz Europas anhören. Der Trainer stand auf der Abschußliste, durfte aber nach einem beruhigenden Sieg gegen Atletico Madrid im Amt bleiben. Obgleich Real-Präsident Florentino Perez vor dem Spiel betont hatte, Pellegrini stünde bis zum Saisonende nicht zur Desposition, wurde vermutet das eine Niederlage im Calderon das Aus für den chilenischen Coach gewesen wäre. Obwohl Real bereits mit 3:0 führte kam Atletico in die Partie zurück und vergab am Ende beste Chancen den Spielverlauf durch einen Ausgleichstreffer – unverdienterweise – auf den Kopf zu stellen. Seitdem wurden die letzten drei Spiele mit 1:0 gewonnen. Zwar konnte mit dem Heimsieg gegen Alcorcon das Ausscheiden, aufgrund des Hinspielergebnisses, nicht vermieden werden, doch war das Spiel ein Anfang einer kleinen Serie. Denn seit 270 Minuten hat Real Madrid kein Gegentor bekommen und sich nebenbei, sowohl in der Liga, als auch in der Champions League Gruppe auf den ersten Tabellenplatz vorgeschoben. Besonders im Hinblick auf das Clásico ein psychologischer Vorteil.
Personell darf Real Madrid feiern, dass Cristiano Ronaldo von Beginn an dabei sein wird. Nicht im Kader sind, aufgrund von Verletztungen, Christoph Metzelder und Ruud van Nistelrooy. Stammverteidiger Albiol wird voraussichtlich nicht auflaufen können, da er sich im Champions League Spiel gegen Zürich (1:0) unter der Woche eine Überdehnung des Innenbandes im Knie zuzog und am Freitagmorgen nicht beim Mannschaftstraining dabei war. Von seinem möglichen Einsatz hängt die Startelf der Königlichen im Camp Nou ab, denn sollte Albiol nicht spielen können, werden Sergio Ramos und der Argentinier Garay wohl zu Beginn auf dem Platz stehen. Guti Hernandez fällt sicher aus.
FC Barcelona:
"Ich bin sicher, dass wir gegen Real Madrid gewinnen werden!" Der große Bruder, hier im Wortlaut des Schweden Zlatan Ibrahimovic, scheint sich seiner Sache sicher. Das pure Selbstbewusstsein fließt bei jedem Satz in jedem Interview über das Clásico mit aus den Mündern der Katalanen. Auch Verteidiger Pique schätzte das Ergebnis ähnlich wie Zlatan Ibrahimovic ("Wir mögen es viele Tore zu schießen und nicht nur eins oder zwei.") aus katalanischer Sicht sehr optimistisch ein: "Wir werden ihnen mindestens drei einschenken."
Das Selbstbewusstsein ist nicht ganz unbegründet. Zwar hatte Barcelona erst vor kurzem ein fußballerisches Tief, doch dieses ist wie wegewischt durch das Ergebnis unter der Woche in der Champions League. Mit dem 2:0 gegen Inter Mailand wurde nicht nur bewiesen, dass Barca nicht von Ibrahimovic oder Messi abhängt, sondern auch gleichzeitig Samuel Etoo besiegt. Außerdem gewann man gegen Jose Mourinho und Luis Figo soll auch auf der Tribüne geseßen haben. Als alle Welt ein Straucheln des Titelverteidigers erwartete, setzte sich dieser an die Spitze seiner Vorrunden Gruppe.
SIcherlich ist, aufgrund dieses Erfolges, die Moral vollkommen intakt, allerdings sieht die katalanische Statistik in der Primera Division nicht so rosig aus. Es ist auf keinen Fall schelcht drei der letzten fünf Spiele Unentschieden gespielt zu haben und in dieser Saison noch nicht verloren zu haben und doch sind die letzten drei Auswärtsspiele, bei den Barcelona jedes Mal zeitweise stark unter Druck stand, ein Strohhalm, andem sich die Kritiker festhalten. Pep Guardiola, seines Zeichens Trainer des FC Barcelona, sieht den Druck vor dem Derby auf der Seite der Madrilenen, denn "mit 270 Millionen Investitionsvolumen muss man einfach Erster sein. Das wundert mich nicht."
Personell wird er beim Clásico wieder auf seine Stammkräfte im Offensivbereich zurückgreifen können. Sowohl Lionel Messi, als auch Zlatan Ibrahimovic werden in der Startelf erwartet. Eine kleinere Überraschung könnte das Auflaufen von Pedro sein, da dieser momentan in guter Verfassung ist. Außerdem in hervorragender Verfassung, aber nicht von der Partie ist Keita, der aufgrund der 5. Gelben Karte gegen Bilbao gesperrt zusehen muss. Dani Alves wird hingegen spielen können. Der Brasilianer hatte sich gegen Inter Mailand leicht verletzt.
Head to Head:
In den letzten Jahren kann man nicht wirklich von besonderen Serien bei den Duellen dieser beiden Teams sprechen. Sowohl auswärts als auch zu Hause gewinnen beide Mannschaften. Herauszuheben ist einzig und allein das Ergebnis des letzten Aufeinandertreffens. Beim 6:2 von Barcelona im Santiago Bernabeu ging Real Madrid sogar durch Higuain in Führung, musste dann aber mit ansehen, wie Barca bis zur Pause auf 3:1 erhöhte (Henry, Puyol, Messi). Als Real Madrid nach der Pause noch mal rankam (2:3 durch Sergio Ramos) legte Barca wieder drei Tore nach (Henry, Messi, Pique). Am Ende stand ein vernichtendes 2:6 auf der Anzeigetafel in Madrid.
Fazit:
Endlich bietet sich für die Madrilenen die Möglichkeit Revanche zu nehmen. Zwar ist ein "kleiner" Sieg nichts gegen das Triple, welches Barca in der vergangenen Spielzeit gewann, aber es ist ein Anfang. Manuel Pellegrini könnte mit einem Erfolg im Camp Nou seinen eigenen Stuhl wahrlich festigen. Doch Barcelona tritt nach dem ersatzgeschwächten Sieg gegen Inter Mailand mit breiter Brust auf. Ist das kleinere der beiden Geschwisterkinder im Camp Nou schon auf Augenhöhe?
Quoten:
FC Barcelona: 1,83 @ bet365
Unentschieden: 3,85 @ betfair
Real Madrid: 4,42 @ betfair
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