Champions League Achtelfinale: Real Madrid – Olympique Lyon
10. März 2010 / joe
Am Mittwoch, den 10. März 2010, findet der zweite Termin der Uefa Champions League Achtelfinal-Rückspiele statt. Nachdem das Duell zwischen Arsenal London und dem FC Porto am Dienstagabend bereits zugunsten der Engländer ausgespielt wurde und sich der FC Bayern München gegen den AC Florenz durchsetzen konnte, fallen am Mittwoch die Entscheidungen in Madrid und in Manchester. Olympique Lyon reist mit einem geringen Vorsprung in die spanische Hauptstadt (1:0 aus dem Hinspiel). Für Manchester United muss das Weiterkommen ins Viertelfinale nur eine Formsache sein, da sich die Engländer gegen den AC Milan im Hinspiel in Mailand mit dem Auswärtssieg (3:2) bereits eine hervorragende Ausgangsposition geschaffen haben. Einen kurzen Überblick zu Real Madrid – Lyon finden Sie hier. Eine Übersicht der Situation vor dem Rückspiel zwischen Manchester United und dem AC Milan ist hier zu lesen.
Anpfiff beider Spiele ist um 20:45 Uhr. Der Italiener Nicola Rizzoli ist der Beauftragte im Spiel zwischen Real Madrid und Olypmique Lyon für Recht und Ordnung zu sorgen. Der Unparteiische leitete bereits sechs Champions League Spiele in dieser Spielzeit (drei Heimsiege, drei Auswärtssiege). Rizzoli zeigte noch keine glatt Rote Karte in dieser Saison. In 26 Einsätzen in Europa und Italien zeigte der Schiedsrichter fünf Mal Gelb-Rot.
Real Madrid:
"Dieses Team hat Hunger!" Klar und deutlich ließ Trainer Manuel Pellegrini das versammelte Pressevolk den Anspruch und die Situation seiner Mannschaft wissen. Er nahm aber auch Druck von seiem Team, in dem er betonte, dass es "keine epische Aufholjagd von Nöten sei." Und recht hat er, denn der Rückstand aus der Hinspielniederlage (0:1) ist bekanntlich minimal und binnen Sekunden gedreht. Problematisch wird die Situation für Real Madrid, wenn es Lyon gelingen sollte ein Tor zu erzielen. Dementsprechend konzentriert wird – auch wenn sich vor dem Spiel alles um die Offensive dreht – die madrilenische Deckung auf dem Platz erscheinen müssen. Zwar wird es wieder einmal kaum jemand merken, doch der Schlüssel steckt in einem Spiel ohne Gegentor.
Heimstark sind die Madrilenen ohne Frage. In der Liga gelangen ihnen nicht nur beeindruckende 13 Heimsiege in 13 Heimspielen in dieser Saison, sondern ganz nebenbei hat Real Madrid nun auch wieder die Tabellenführung inne. Ein enorm wichtiger Punkt, der wahrscheinlich noch wichtiger als bei den Bayern in der Bundesliga ist, denn Real Madrid hat mit der Tabellenführung vor allem den Erzrivalen aus Katalunien überholt. Zwar sind beide aktuell punktgleich, doch an der Spitze ist nun mal, wer vorne steht. Das ist Madrid. Mit zwei Toren Differenz Vorsprung.
Sofort nach der Hinspielniederlage in Frankreich hörte man von den Spielern der Königlichen den Ansporn im Rückspiel alles drehen zu wollen. Das ist ersteinmal einfach gesagt. Doch was die Madrilenen zusätzlich pushen wird ist das Spitzenspiel von diesem Wochenende. Real Madrid empfing am Samstagabend den FC Sevilla. Eine Mannschaft gegen die im Hinspiel auswärts verloren wurde. Obwohl Madrid von Beginn an überlegen war reichte Sevilla ein guter Angriff in der ganzen ersten Halbzeit, um in Führung zu gehen. Eine scharfe hereingabe lenkte Xavi Alonso im Zweikampf ins eigene Tor. Als die Königlichen in der zweiten Halbzeit dann richtig aufdrehten war es wieder Sevilla, das mit dem gefühlten zweiten Angriff des Spiels das zweite Tor erzielte. Mit Toren durch Cristiano Ronaldo (60.), Sergio Ramos (64.) und Rafael van der Vaart (92.) drehten die Hauptstädter das Spiel. Fortan war in Madrid jeder davon überzeugt, dass dieses Team auch Lyon zerlegen werde. Moralisch kann Real Madrid so schnell nichts umwerfen, auch das Gegentor nicht. Allerdings müssten sie dann wieder ihr Glück beanspruchen.
Psychologisch bedeutet ein Weiterkommen für die Spanier sehr viel, da das Team in den letzten Jahren immer im Achtelfinale scheiterte.
Olympique Lyon:
"Ich sehe, dass die Uefa es gerne hätte, wenn Real Madrid das Finale im eigenen Stadion erreichen würde." Mit diesen Worten schob Olympique Lyon-Präsident Jean Michel Aulas der Uefa den schwarzen Peter für eine eventuelle schlechte Schiedsrichter Leistung schon vor dem Spiel zu. Taktisch nicht ganz unklug, denn seine Mannschaft befindet sich nach dem überzeugenden Hinspielsieg in Frankreich (1:0) zwar in einer guten Position, doch befürchtet man in Lyon, dass mit einem Heimschiedsrichter, der sich von der Atmosphäre des Bernabeu – wenn auch unbeabsichtigt – leiten lässt, dieser Vortei schneller als gewollt verspielt sein könnte.
Ganz unberechtigt sind diese Befürchtungen natürlich nicht, da man insbesondere bei Mannschaften mit großen Namen häufiger den Eindruck hat, sie hätten einen geringen aber entscheidenen Bonus bei Schiedsrichtern oder der Federation. In einem Achtelfinale der Champions League sollte dies aber kein Problem darstellen, da mit Olympique Lyon ein französischer Serienmeister mit respektablem europäischen Prestige anrückt. Der Präsident äußerte sich zu diesem Thema im Zusammenhang mit dem Verbot den Trikotsponsor tragen zu dürfen. Aulas zeigte sich entrüstet, da "das in Spanien prinzipiell erlaubt ist". Trikotsponsor bei Lyon ist Betclic.
Fußballerisch stehen die Chancen für Olympique Lyon vor dem Rückspiel blendend. Denn man muss zwar im spanischen Bernabeu bestehen, doch hat man nicht nur einen kleinen Vorsprung, sondern auch noch die sehr wichtige Möglichkeit mit einem einzelnen eigenen Tor das Spiel lange für sich entscheiden zu können. Eben dieses eine Tor muss das Ziel von den Franzosen sein. Denn dann müsste Real Madrid bereits drei Tore schießen, um im Viertelfinale im Loßtopf zu sein.
In der Ligue 1 verlor Lyon nur zwei seiner 14 Auswärtsspiele. In der Champions League gelangen Siege in Liverpool (2:1) und in Debrecen (4:0). Lediglich in Florenz wurde verloren (0:1). In sechs Champions League Spielen in der Gruppenphase ließ Lyon nur drei Gegentore zu. Wettbewerbsübergreifend kassierte Lyon seit Spielen kein Gegentor mehr – insgesamt sind die Franzosen schon über neun Stunden ohne Gegentor. Allerdings spürte man schon am Wochenende die Anspannung bei Olympique Lyon, denn gegen einen Aufsteiger langte es in der Ligue 1 nur zu einem torlosen Unentschieden.
Head to Head:
Fünf Mal haben Olympique Lyon und Real Madrid gegeneinander gespielt und nie haben die Spanier gewinnen können. Drei Siege der Franzosen – jeweils Heimsiege ohne Gegentor – und zwei Unentschieden im Bernabeau (1:1, 2:2) stehen für das Head to Head dieser beiden Mannschaften zu Buche. In Gewissem Sinne ist Lyon für Madrid ein Angstgegner - insbesondere seit dem Hinspiel.
Fazit:
Real Madrid wird mit seiner offensiven Walze ins eigene Stadion einrollen. Sollte sich Lyon davon beeindrucken lassen, wird es schnell zu Ende sein für die Franzosen, doch wenn es den Gästen gelingt das Spiel lange offen zu gestalten und aus einer gestafelten Defensive eigene Akzente zu setzen, dann liegt ein Torerfolg in der Luft. Und mit einem Tor wird Lyon die zweite Luft bekommen, dann steigen die Chancen deutlich. Bekommt Madrid ein Mal Oberwasser wird der Geist des Sevilla-Spiels vom Wochenende aller Ermüdung weichen und die Königlichen unschlagbar machen. Cool genug sind die Franzosen. Das Zeug zum großen Coup haben sie. Das weiß sogar Liverpool.
Quoten:
Real Madrid: 1,33 @ bet365
Unentschieden: 6,40 @ betfair
Olympique Lyon: 13,00 @ betfair
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