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Alles oder Nichts in der WM-Qualifikation: Russland – Deutschland


8. Oktober 2009 / joe

Am Samstag, den 10. Oktober, kommt es um 17 Uhr mitteleuropäischer Zeit zum ersten Endspiel für die Deutsche Nationalmannschaft in Moskau gegen Russland. Die Gruppe 4 der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika ist die einzige Gruppe Europas, in der aus den Top 6 der Weltrangliste zwei Mannschaften vertreten sind. Mit Deutschland (aktuell geteilter Platz 4) und Russland (aktuell Platz 6) können nur England (aktuell Platz 7) und Kroatien (aktuell Platz 9) als Gruppenduo mithalten. Sowohl Spanien, als auch Holland Italien und Frankreich haben ihre Gruppe "für sich". Schon allein aus statistischer Sicht ist dieses Spiel also ein absolutes Highlight im europäischen Fußball. Wie europäisch die Teilnahme Russlands an den europäischen Fußball-Wettbewerben ist, darf angesichts der Lage des Landes breit diskutiert werden. Allerdings ist Russland keinesfalls das einzige Beispiel für den – in dieser Hinsicht – politischen Einfluß im Fußball.
An diesem Wochenende zählt der Sport und die Leistung auf dem Platz. Für faire Bedingungen wird der Schweizer Top-Schiedsrichter Massimo Bussaca sorgen. Kürzlich machte er mit der Stinkefinger-Äffare auf sich aufmerksam und zeigte, dass auch Schiedsrichter keinesfalls unfehlbar sind. Solche Aussetzer sollten seine besondere Fähigkeit der Neutralität aber nicht in Frage stellen.

Russland:
Man übertreibt nicht, wenn man die momentane russische Mannschaft als Goldene Generation nach dem Fall der Sowjetunion beschreibt. Der russische Clubfußball hat in den letzten Jahren beachtlich aufgeholt und sich zumindest im Uefa Cup schon einen Namen gemacht. Auch wenn die Vereine in der Champions League spätestens nach der Gruppenphase Kanonenfutter für die große Europas sind, so sind es die Einzelspieler, die herausstechen. Namen wie Andre Arshavin, Igor Akinfeev oder Yuriy Zhirkov können ohne Probleme zu den besten hundert Spielern auf dem alten Kontinent gezählt werden. Zusammen mit einigen anderen genießen sie das Ansehen ganz Europas. Das Angriffsspiel ist ohne Frage die absolute Stärke der Russen. Sogar beide Außenverteidgier der Viererkette wissen in der Offensive mehr zu überzeugen als in der Defensive. Schwachpunkt der Kremel-Elf ist in jedem Fall die Innenverteidigung. Gerne werden Sergey Ignashevich und Vasily Berezutskiy als beinhartes Innenverteidigerduo dargestellt, allerdings sind sie schlichtweg nicht auf der Höhe ihrer Mitspieler. Sie ragen heraus, weil sie qualitativ mit der namhaften Offensive und einem der stärksten Torhüter der Welt nicht mithalten können. Beide sind keinesfalls schlecht, aber gegenüber ihren Mitspielern müssen Abstriche gemacht werden. Ignashevic ist zusätzlich noch der langsamere von beiden.
Die erwähnte Stärke der Russen hat viele Vasetten. Da ist der dribbelstarke Arsenal-Stürmer Andre Arshavin, der eine ähnliche Spielweise wie Frank Ribery mit ein bisschen mehr Torgefahr kombiniert. Außerdem findet man mit Pogrebnyak, Pavlyuchenko, Kerzhakov und Torbinskiy in der Offensive nahe zu unzählige Alternativen. Des Weiteren sollte die Kopfballstärke des russischen Teams, insbesondere bei Standardsituationen, wenn die beiden Innenverteidiger sich nach vorne begeben, gefürchtet sein.

Deutschland:
Wie schon vorab analysiert befinden sich einige konstante Kräfte im deutschen Team momentan nicht unbedingt in Hochform. Sicherlich ist ein Spiel mit dem Adler auf dem Trikot immer etwas anderes, allerdings sollte die persönliche Verfassung des Einzelnen nicht außer Acht gelassen werden. Dass es auch anders geht, haben in der Vergangenheit Mario Gomez in die eine und Lukas Podolski in die andere Richtung gezeigt. Letztendlich kann sich die deutsche Elf auf einen hervorragend aufgelegten Torhüter verlassen für den das Spiel in Russland noch richtungsweisender sein wird, als für alle anderen Akteure auf dem Feld. Sollte Rene Adler eine starke Leistung anbieten, wird sich in Deutschland keiner mehr für Manuel Neuer oder Robert Enke stark machen. Wird in so einem Spiel vom Leverkusener Schlußmann gepatzt, dauert es vermutlich nicht besonders lange und er ist seine Rolle wieder los. Die große (historische) Stärke Deutscher Nationalmannschaften ist ohne Frage die punktuelle Konzentration, die volle Hingabe der Mannschaft als Einheit in den wichtigsten Momenten. Gerade Torhüter werden unter diesem Gesichtspunkt beurteilt – und Manuel Neuer hat jüngst im Sommer bei der U-21 EM gezeigt, dass er das drauf hat.
In der Abwehr wird Lieblingsschüler Serda Tasci fehlen. Ob ihn der krisengebeutelte Berliner Arne Friedrich, der bei der Asien Reise in der Innenverteidigung überzeugte, oder Heiko Westermann, der im Verein eine andere Rolle spielt, ersetzten ist unklar. Am wahrscheinlichsten gilt, dass Arne Friedrich als Außenverteidiger aufgeboten wird und Heiko Westermann mit Per Mertesacker die Innenverteidigung bildet, da Jogi Löw sicherlich auf Erfahrung setzt und in einem Entscheidungsspiel nicht zu experimentieren bereit ist.
Die Personalien im Mittelfeld hängen vor allem von der Systemfrage ab. Sollte sich der Bundestrainer für ein defensives 4-5-1 entscheiden haben Rolfes und Ballack im zentralen Mittelfeld, Schweinsteiger und Trochowski auf den Außenbahnen und Özil hinter der Spitze die besten Chancen. Eventuelle lässt Löw auch Podolski an stelle von Trochowski agieren, um ein wenig mehr Offensivgeist aufzustellen. Wenn sich das Trainergespann aber mutig zum eingespielten 4-4-2 – wie es in den Juniorenbereichen vorgegeben ist – bekennt, wird Podolski im Mittelfeld nicht zu finden sein und auch Özil wahrscheinlich keinen Platz in der Startelf inne haben. Zu beiden Systemen serviert der Bundestrainer wahlweise Miroslav Klose oder Mario Gomez im Sturm.

Fazit:
Von diesen Spielen lebt der Fußball. Es geht das erste Mal um Alles oder Nichts. Beide Mannschaften erwartet die direkte Qualifikation oder der bittere Gang in die Relegationsphase, in der das Risiko Auszuscheiden immer im Hinterkopf ruht. Deutschland hat immerhin noch nie gegen das (neue) Russland verloren (drei Siege und ein Remis) – und Getafe-Glücksbringer Massimo Bussaca ist auch dabei.

Quoten:
Russland: 2,50 @ bwin
Unentschieden: 3,35 @ unibet
Deutschland: 3,00 @ betfair









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