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(6) Bulissimo! Neben Per und um Per herum


8. September 2009 / joe

Nach peinlichen Niederlagen gegen Norwegen und Dänemark in vergangenen Testspielen der Marke "Experiment" konnte man gegen Südafrika ein ansehnliches Spiel genießen. Sicherlich spielte die deutsche Nationalmannschaft nicht auf Weltklasse-Niveau, doch brachte das Spiel die von Kapitän Michael Ballack angekündigten Verbesserungen im Vergleich zur Pflichtaufgabe in Aserbaidschan.

Das Luxusproblem im Tor. Auf Anhieb – sicherlich auch nach gründlichen Recherchen – fällt wohl niemandem ein Land auf der Welt ein, welches über vier derartige Spitzentorhüter verfügt, von denen mindestens zwei zudem mit weitreichenden Perspektiven ausgestattet sind. Mit Abstichen in der Qualität sind am ehesten die Spanier zu nennen. Victor Valdés (27), Pepe Reina (27), Andrés Palop (35) und allen voran Iker Casillas (28) geben den Iberern hervorragende Auswahlmöglichkeiten. Allerdings sind diese Torhüter im Durchschnitt schon deutlich älter als die Deutschen.
Rene Adler haten gewaltigen Anteil an der "weißen Weste" der Nationalelf. Gleich drei Hochkaräter entschärfte der Torwart von Bayer Leverkusen. Es ist damit zu rechnen, dass er auch im Rückspiel gegen Aserbaidschan am Mittwoch wieder im Tor stehen wird, weil der eigentlich geplante Einsatz von Robert Enke aus gesundheitlichen Gründen unmöglich sein wird. Obgleich aus Gründen der Fairness Tim Wiese eine Chance über 90 Minuten mehr als verdient hätte.
Es erscheint als sinnvoll sich auch der Kontinuität wegen frühstmöglich für einen Torwart zu entscheiden. Um diese Position dauerhaft zu besetzen und die Diskussionen zu umkurven, wäre eine Entscheidung pro Neuer/Adler am naheliegensten. Auch wenn sich der Bundestrainer für Tim WIese entscheidet, wäre das Tor über mehrere Jahre besetzt. Bleibt zu hoffen, dass sowohl vor als auch nach der WM 2010 nicht vor jedem Spiel das löwsche Leistungsprinzip auf ein Neues die Lostrommel dreht.

Die Systemfrage in der Offensive. Zweifelsohne gehört Mesut Özil momentan zu den formstärksten Fußballern Deutschlands. Neben Michael Ballack, der mit Chelsea sowohl mannschaftlich als auch persönlich (schon zwei wichtige Tore) perfekt in die neue Spielzeit gestartet ist, hat der junge Bremer im Mittelfeld eine wichtige Position inne. Wenngleich Jogi Löw wahrscheinlich nicht sofort zu einer Veränderung im Mittelfeld bereit ist, so bleibt zumindest die Möglichkeit während eines Spiels das Personal entscheidend offensiver zu gestalten.
Mit einer Raute in der Ballack die Defensive Position einnimmt und Özil auf der "Zehn" spielt, wird das System der deutschen Nationalmannschaft deutlich angriffslustiger. Besonders einem Bremer Teamkollegen könnte das ein Dorn im Auge sein, da eine Nominierung von Thorsten Frings mit Mesut Özil in der Startelf in weite Ferne rückt. Die Viererkette wird Löw gewiss nicht aufgeben, den zweiten Stürmer aufzulösen gehört auch nicht zu seinem Wunschdenken. Vor allem nicht zu Beginn des Spiels.

Neben Per und um Per herum. Da Per Mertesacker in der Innenverteidigung gesetzt ist und für Philipp Lahm das ebenso auf der Außenverteidiger Position gilt, bleiben in der deutschen Abwehr noch zwei Posten zu vergeben. Für die Innenverteidigung hat Jogi Löw seinen Lieblingsschüler Serda Tasci vom VfB Stuttgart im Auge. Allerdings blieb dieser zu Saisonbeginn unter den Erwartungen und konnte besonders gegen Südafrika alles andere als überzeugen. Des Weiteren ist die Personalie Heiko Westermann im Gespräch. Der Schalker hat sich in den vergangenen Jahren konstant verbessert. Er spielt auf einem hohen Niveau, ist allerdings im defensiven Mittelfeld deutlich besser aufgehoben, da seine Torgefährlichkeit dort besser ins Spiel eingebracht werden kann. Der Königsblaue hat gegen Südafrika keine groben Fehler gemacht, stand jedoch in maginalen Situationen häufig weit weg von Ball und Gegenspieler.
Die beste Leistung brachte der Berliner Kapitän Arne Friedrich. Wie auch in den ersten Saisonspielen zeigte Friedrich eine starke Leistung gegen Südafrika. Besonders als sich die gegnerischen Stürmer fallen ließen um den Ball im Mittelfeld klatschen zu lassen oder einen Kopfball zu verlängern, war Friedrich äußerst präsent. Lediglich bei seiner unfreiwilligen Verlängerung aufs eigene Tor, die Rene Adlerkur vor der Pause zu einer Parade zwang, sah der Innenverteidiger nicht gut aus. Sollte es für ihn neben Per Mertesacker nicht reichen, bleibt ihm ein Ausweichen auf die Außernverteidiger Position. Diese Flexibilität dürfte Friedrich eine sichere Nominierung für die WM 2010 bringen. Denn in diesem Mannschaftsteil ist die Nationalelf noch nicht fündig geworden. Marcel Schäfer spielte bei Wolfsburg extrem stark, aber im Mittelfeld. In der Defensive agierte der Wolfsburger gegen Aserbaidschan und Südafrika glücklos.

Selbst wenn einem das Länderspiel gar nicht gefallen hat, konnte wenigstens das wiederholte Versagen der Portugiesen zur Kenntnis genommen werden. Doch Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall - in Moskau?

Die Fußball Kolumne Bulissimo! erscheint jeden Dienstag und befasst sich mit der Bundesliga, aktuellen Stammtischthemen des Fußballs und Kuriositäten rund um den Lederball.









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