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(38) Bulissimo! Das vorletzte Treffen


4. Mai 2010 / joe

Vorletztes Wochenende. Vorletzter Spieltag. Das vorletzte Treffen der Fußball Bundesliga in dieser Saison. Für eben diese regelmäßigen Treffen haben sich für die nächste Saison bereits der FC St. Pauli und der 1. FC Kaiserslautern angemeldet. Die beiden Mannschaften werden nach dem Sommer am Spielbetrieb der höchsten deutschen Spielklasse teilnehmen. Mit Hertha BSC Berlin verliert die Liga eine der spielerisch besten Mannschaften. Vergleicht man das spielerische Potential der Berliner mit dem der anderen Abstiegskandidaten, huscht einem ein leichtes Schmunzeln übers Gesicht. Die Berliner sind wohl der beste Absteiger aller Zeiten – der wohl unnötigste Abstieg der Geschichte. Die etwas anderen Höhepunkte fast Bulissimo! zusammen:

1. Berliner Symphatisanten: Interessant an der Berliner Geschichte, die von der "beinahe-Meisterschaft" über den "Sommerausverkauf" und den "Dauerletzten" in den sicheren Abstieg führte, ist das Spiegelbild der Berliner in der Bevölkerung. Denn – wer sich erinnert – als in der letzten Saison über die Erfolgsserie der Berliner, die lange Zeit der Rückrunde die Tabellenführung inne hatten (zwischenzeitlich mit bis zu vier Punkten Vorsprung!), berichtet wurde, ging ein Raunen durch den Raum. Die Hauptstädter würden so ergebnisorientiert spielen und keinen Sinn für schönen Fußball haben. "Die sind nur effektiv, anschauen kann sich das keiner", trifft in etwa den Kern des Berliner Images an den Stammtischen der Nation. In dieser Saison hat sich das Blatt gewendet. Plötzlich begrüßt die Berliner jeder als "spielstark" und "attraktiv". Im Allgemeinen werden die Spiele als fußballerisch hochwertig betrachtet. Kaum schießen die Herthaner keine Tore mehr, sind sie beliebt.
"Keine Tore" haben also "breite Beliebtheit" als Konsequenz. Interessant!

2. Der Fall des Kevin Großkreutz: Fragen sie bitte nicht, wie der Schiedsrichter der Begegnung - auf dessen Namen in diesem Bulissimo! aus Personenschutz-Gründen nicht weiter eingegangen wird -  im Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg auf die Idee gekommen ist, einen Elfmeter zu pfeifen, als Kevin "12,7 km Laufstrecke pro Spiel" Großkreutz im Strafraum der Wölfe im besten Fall "ins Straucheln" geriet. Bis heute ist vollkommen ungeklärt warum Kevin Großkreutz in diesem Moment zu Boden geht. Ein Foul war es, mangels Berührung eines Wolfsburgers, nicht. Auch eine Schwalbe kann, aufgrund der Fernsehbilder und der absoluten Unmöglichkeit einer Nachstellung der Bewegungen des Dortmunders, vollkommen ausgeschlossen werden. Was ist es dann? Einfach nur Unvermögen vermutlich. Als sich Großkreutz über den Pfiff freut, wusste er sicherlich noch nicht, dass der Kontakt, den er gespührt haben wird, lediglich von seinem anderen Bein verschuldet war. Dieses bewegte sich nämlich entgegen aller physikalischen Gesetze im freien Raum des Wolfsburger Strafraums umher. Wer das Video dieser Situation häufiger anschaut wird wahrscheinlich zu dem Schluß kommen, dass es zwar niemals ein Elfmeter war, aber dennoch einen verdient hatte. Denn was Großkreutz da macht, ist große Klasse. Zwar nicht im Fußball, aber immerhin.

(2. b) Kommerz: Auf den kompletten kommerziellen Fehltritt der VW-Mannschaft aus der Autostadt in Niedersachen, an den letzten drei Spieltagen, aufgrund einer Werbekampagne des Hauptsponsors, auf die Vereinsfarben zu verzichten und stattdessen in einem dunklen Blau aufzutreten, wird hier bewusst nur in Klammern hingedeutet.)

3. Die Borussia Lüge: Totz des Abstiegs einer Fußballkunst und eines schwachsinnigen Elfmeters, ist das bitterste Element dieses Spieltags noch unbesprochen: Borussia Mönchengladbach.
Was sich die Niederrheiner bei ihrem "Auftritt" – es sei bemerkt, dass "Auftritt" eigentlich zu hoch gegriffen ist – in Hannover gedacht haben, ist nicht nur Trainer Michael Frontzeck sondern auch ganz Fußball-Deutschland schleierhaft. Sich innerhalb kürzester Zeit vom Tabellenvorletzten dermaßen abschießen zu lassen, dass dieser nicht nur drei Punkte im Spaziergang geschenkt bekommt, sondern gleichzeitig sein negatives Torverhältnis aus der kompletten Saison nahezu ausgleichen kann, ist indiskutabel. Die Gladbacher, die außer in Köln in der Republik im Grunde recht guten Ruf genießen, haben ihren Kredit bei manch einem an diesem Wochenende verspielt. Gerade die Borussia, die, aufgrund ihrer jüngsten Abstiegskampf-Historie, wohl am besten wissen sollte, wie wichtig es ist, dass alle Mannschaften in der Bundesliga ihre Saison bis zum Ende gewissenhaft spielen, um den Wettbewerb nicht zu verschieben, ließ sich am Wochenende nach allen Regeln der Kunst einseifen.
Die Art und Weise mit der die Gladbacher ihr Spiel abschenkten, ist eine Frechheit und eine absolute Respektlosigkeit gegenüber allen anderen Mannschaften der Bundesliga.
Erkannt haben das sogar die eigenen Fans, die geschlossen in der 65. Minute den Block verließen.

Die Fußball Kolumne Bulissimo! erscheint jeden Dienstag und befasst sich mit der Bundesliga, aktuellen Stammtischthemen des Fußballs und Kuriositäten rund um den Lederball.









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