(30) Bulissimo! Der königliche Schreiber
2. März 2010 / joe
Bei diesem tollen Sport kann man gar nicht müde werden zu betonen, wie viele tolle Geschichten er uns an einem einzigen Wochenende erzählt. Ja, der König Fußball hat den königlichen Schreiber beauftragt den Spieltag mit Lichtblicken zu füllen und – sieh an – der Schreiber hat seinen Job hervorragend gemeistert. Wollen wir einmal sein Meisterwerk anhand der Höhepunkte nacherzählen:
Erstens: Mohamadou Idrissou. Seine Disziplinlosigkeit haben wir bereits in der letzten Woche erörtert. Doch an diesem Wochenende hat er auch fußballerisch bewiesen, dass seine Aussagen - insbesondere der Bezug zwischen ihm und der Champions League doch sehr weit her geholt sind. So hat Mohamadou Idrissou zum Spiel der Freiburger in Mönchengladbach nur zwei Dinge beigetragen: Er lag zwischen der 82. und der 85. Minute im eigenen Strafraum auf dem Boden, um Zeit zu schinden. Und einen Reim.
Zweitens: Beim "5 gegen 2", gerne vor Trainingseinheiten oder in Halbzeitpausen wohl dosiert eingestreut, ist die Höchststrafe ein Beinschuss. Wer einen kassiert, ist der Depp. Wenn man das auf eine Bundesligaspiel überträgt, liebe Berliner, dann sieht das wie folgt aus: Zwei Beinschüsse – zwei Gegentore – null Punkte. Und genau so wars gegen Hoffenheim. Erst ließ sich Kapitän Arne Friedrich von Demba Ba tunneln und dieser netzte ein, dann öffnete Steve van Bergen gegen Ibisevic die Beine und schon war das Unternehmen Klassenerhalt weit in die Ferne gerückt. Symbolisch könnte man nun auf die Metapher mit dem Licht am Ende des Tunnels verweisen. Dies wird an dieser Stelle unterlassen, denn wer Letzter ist braucht nicht noch einen drauf. Nicht in dieser Woche.
Drittens: Bundesliga torlos. Was war denn da los? Dass die Deutschen für ihre geordneten Abwehrreihen bekannt sind, ist nichts Neues. Aber das wissen wir doch. Das muss doch nicht so deutlich unter Beweis gestellt werden. An dieser Stelle müssen wir Berlin, Bochum, Nürnberg, Hannover, Hamburg, Leverkusen und Köln an den Pranger stellen. Diese sieben Mannschaften blieben nämlich am Wochenende ohne Torerfolg, was zufolge hatte, dass der Spieltag mit fanfreundlichen 15 Toren in neun Spielen zu Ende ging. In der Konferenz am Samstagnachmittag konnte man getrost zwei bis drei Nebenbeschäftigungen einrichten. Dass in der zweiten Halbzeit nur noch drei Tore fielen, sagt alles.
Viertens: Um etwas internationaler zu werden, sollten wir dem Schreiber des Königs auch noch die Höhepunkte aus Spanien und England zu Gute halten. So hat er einen brillanten Plot zu Chelsea London gegen Manchester City geschrieben. Beide Mannschaften gehen zum Händeschütteln aneinander vorbei. John Terry ist der erste Londoner. Die Citizens laufen in Reih und Glied an ihm vorbei. Geben ihm die Hand. Doch Wayne Bridge – mit dessen damaliger Freundin der verheiratete John Terry geschlafen hatte und der (Wayne Bridge) daraufhin seine Nationalmannschaftskarriere an den Nagel gehangen hatte – verweigert dem Londoner Kapitän den Handschlag. Man kann es sich nicht häufig genug ansehen. Einfach stark.
Fünftens: Anmerkung zum Handschlag-Video. Sollten Sie das Video gesehen haben. Gucken Sie es sich noch einmal an und achten sie auf Craig Bellamy. Das ist der Kleine, der nur wenige Meter vor Wayne Bridge läuft. Auch er hat eine Meinung zu John Terry. Sehen Sie selbst.
Sechstens: Vom Höhepunkt der Premier League nun zum Höhepunkt der Primera División. Wir steigen ein in der 26. Minute des Topspiel zwischen Atlético Madrid und dem FC Valencia. Valencia führt bereits mit 1:0, spielt aber alles andere als gut. Zumindest die Art und Weise wie sie sich von Atlético dominieren lassen, lässt nicht erkennen, dass sie einen Anspruch auf die Champions League Teilnahme stellen. Aber weiter im Text. Atlético-Stürmer Aguero (Achtung: Der spielt auch am Mittwoch gegen Deutschland) nimmt Valencia-Verteidiger Marchena den Ball ab. Dieser foult ihn daraufhin. Aguero lässt sicht nicht fallen, spielt Marchena aus und der Verteidiger klärt im Strafraum mit der Hand. Das ist in etwa ein kurzer Abriss des Geschehens. Danach rennen alle Madrilenen aufgeregt zu Perez Burull – Schiedsrichter der Begegnung. Der hat nichts gesehen. Seine Assistenten auch nicht. Alle anderen im Stadion schon. Marchena beginnt sich das Gesicht zu halten (!). Der vierte Offizielle – ja genau der zwischen den Trainerbänken. Also der vierte Offizielle, der der sich ausschließlich mehr oder weniger auf Höhe der Mittellinie, die bekanntlich recht weit weg von den jeweiligen Strafräumen ist, aufhält, hat auch eine Meinung zu der Geschichte. (Jorge Figueroa Vázquez heißt der gute Mann übrigens) Er weißt Perez Burull daraufhin, dass es Hand war. Perez Burull rennt zum Elfmeterpunkt, um dann auf ihn zu zeigen und zeigt Marchena dann – mit zugegeben nicht wirklich eleganter Körperhaltung – die rote Karte, weil dieser der letzte Mann war. Danach rennen alle Spieler von Valencia aufgeregt zu Perez Burull.
Siebtens: Noch ein Wort zu Marchena. Aufgrund guter Leistungen beim Europameisterschafts-Triumph der Spanier wird Marchena wahrscheinlich wieder in der Startelf der "Roja" stehen. Auch während der WM in Südafrika. Momentan scheint das – angesichts der spielerischen Klasse der Iberer – die einzige Möglichkeit die starken Spanier aus dem Turnier zu kicken. Nach der Vorrunde muss man nur einen Bock von Marchena provozieren und ihn provozieren. Der tritt nämlich gerne und unbedacht. Mit einem mehr auf dem Platz geht das dann auch gegen Spanier. Marchena sah übrigens gegen Atlético in der ersten Spielminute vollkommen berechtigt Gelb, wegen eines überharten Einsteigens. Das wird schon. Die Hoffnung der Fußballwelt liegen auf seinen Schultern.
Achtens: Den Bayern sei dann endlich mal – getreu dem Motto das Beste kommt am Ende – die Ehre gegönnt die Letzten zu sein. Mit dem Heimsieg gegen Hamburg eroberten die Münchener nach einer gefühlten Ewigkeit die Tabellenspitze zurück. Platz 1 um genau zu sein. Allerdings war das Spiel weit von einem Spitzenspiel entfernt. Das sieht man schon daran, wenn der "Kicker" Arjen Robben als "Spieler des Spiels" auszeichnet und dabei gleichzeitig feststellt, dass der Holländer "nach der Pause kräftemäßig abbaute". Sprich in der ersten Halbzeit ganz gut gewesen zu sein, hat gereicht. Hier bleibt nichts anderes übirg als auf Punkt Drei zu verweisen.
Man kann ihn nur mögen, den Schreiber des Königs.
Die Fußball Kolumne Bulissimo! erscheint jeden Dienstag und befasst sich mit der Bundesliga, aktuellen Stammtischthemen des Fußballs und Kuriositäten rund um den Lederball.
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Schlagwörter: 1. Bundesliga, Bulissimo, FC Bayern München, Premier League, Primera Division





