(29) Bulissimo! Schritt für Schritt
23. Februar 2010 / joe
Während dieser Saison sind wir schon häufiger zu dem Schluß gekommen, dass Fußball nicht zwingend ein Sport ist, der, um ihn professionell auszuführen, mental besonders hohe Ansprüche stellt. Mohamadou Idrissou hat dies eindrucksvoll unterstrichen.Ganz ohne nachzudenken und voll aus dem Unterbewusstsein hinaus, hat er das gesagt, was sicherlich jeder denken darf, aber niemand aussprechen sollte. Sogar das Denken sollte in einem funktionierenden Team nicht aufkommen. Der verbale Ausspruch ist tunlichst zu vermeiden. Auch an schlechten Tagen. Mohamadou Idrissou soll, nachdem er unter der Woche – laut Mannschaftskreisen - armselig trainiert hatte, zu seinen Mannschaftskollegen gesagt haben "Ich hab keine Lust mehr, mit euch Absteigern zusammen zu spielen. Ich spiele sowieso nächstes Jahr Champions League."
Viel mehr als blankes Entsetzten kann man diesem Verhalten nicht entgegen bringen. Vollkommen verständlich ist an dieser Stelle die Position des Trainers, der den Topstürmer der Breisgauer gegen Berlin auf der Bank ließ. Während des Spiels wurde Robin Dutt schon von den zähnefletschenden Journalisten innerlich zerfleischt. Als dann die wahren Gründe für das Nicht-Auflaufen des kameruner Stürmers bekannt wurden, hatte man Einsicht mit dem breisgauer Übungslehrer. Auch wenn es Gerüchten zufolge wirklich Interesse am besten Freiburger Strümer seitens größerer Klubs wie Schalke 04 und den Hambuger SV gegeben haben soll, sind die Chancen einer Verpflichtung wohl stark gesunken. Denn wer möchte schon solche Charakter-Spieler in seiner Mannschaft haben? Welches Trikot Mohamadou Idrissou in den nächsten Monaten tragen wird, bleibt abzuwarten. Seinen ersten Schritt aus dem Freiburger Trikot heraus hat er getan. Ein Schritt in die falsche Richtung.
An diesem Wochenende haben wir außerdem gelernt wie schnelllebig das Fußball-Geschäft auch auf dem Platz sein kann. Waren die Kölner noch in der Hinrunde zusammen mit Schalke 04 die beste Abwehr der Liga, so sind sie jetzt zur Schießbude geworden. Wurden sie in der Hinrunde noch von allen Seiten gefeiert, sind sie jetzt zur Lachnummer avanciert. Bis zum Winter hatten die Domstädter es fertig gebracht lediglich 15 Gegentore zu fangen – allein in den sechs Spielen 2010 haben sie 16 weitere zugelassen.
Jetzt wurde Trainer Zvonimir Soldo von mehreren Seiten – unter anderem von der Kölner Lokalpresse – empfohlen doch irgendwie wieder die Taktik der Hinrunde anzunehmen. Der Trainer reagierte nur schüchtern mit dem Hinweis "man spiele genauso, man stünde nur nicht mehr so kompakt in der Innenverteidigung."
Ein schwacher Trost. Doch im Falle der Rheinländer kann man von Glück im Unglück sprechen, denn das wahre Glück der Kölner besteht darin, dass es in diesem Jahr – egal wie schlecht die Kölner auch ihre Rückrunde getalten mögen – vier Mannschaften gibt, die deutlich schwächer sind und dies nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Tabelle zeigen. Sowohl Freiburg, Nürnberg und Hannover, als auch Berlin ist nicht zuzutrauen die Geisböcke noch zu überholen. Trotzdem bleibt die Heimniederlage gegen Stuttgart (1:5) ein Schritt in die falsche Richtung.
Als traurigen letzten Punkt, sei noch ein Wink zur Kommerzialisierung gestattet. Wahrscheinlich haben die meisten die Veränderung des Champions League Spielsystems bereits bemerkt. Die spannenden Champions League Konferenzen sind Geschichte. Nie wieder gleichzeitig Tore in Kiev, Liverpool, Trondheim und Lyon, sondern jetzt nur noch in einem Stadion. Aus Gründen der Gewinnmaximierung werden die Achtelfinals jetzt in vier Wochen ausgespielt. Auch die Viertelfinals werden auseinandergezogen. Wenngleich es dem Fußballfan nicht direkt schadet, ist es ein weiterer Schritt hin zum totalen Kommerz. Ein Schritt in die falsche Richtung,
Die Fußball Kolumne Bulissimo! erscheint jeden Dienstag und befasst sich mit der Bundesliga, aktuellen Stammtischthemen des Fußballs und Kuriositäten rund um den Lederball.
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Schlagwörter: 1. FC Köln, Abstiegskampf, Bulissimo, Disziplin, Kommerz, Muhamadou Idrissou, SC Freiburg





