(27) Bulissimo! Stinkefingertief
9. Februar 2010 / joeDa Bulissimo! in der letzte Woche ausgefallen ist, scheint sich die Fußballwelt zusätzlich ins Zeug gelegt zu haben, um thematisch eine möglichst umfangreiche Kolumne zu ermöglichen. Alles begann mit dem Freitagabendspiel zwischen Werder Bremen und Hertha BSC Berlin. Dann waren da noch die interessanten Kommunikationsprobleme zwischen den Herren Löw, Bierhoff und Zwanziger. Ein kleiner ironischer Leckerbissen waren die Aussagen des Stefan Effenberg zu diesem Thema.
Die Berliner bekommen momentan von allen Seiten Lob. Sicherlich ist es typischerweise auch ein wenig "besser-als-erwartet-Lob", doch im Allgemeinen kann man den Hauptstädtern wirklich gute Leistunen attestieren. Bisher hat sie das allerdings keinen Schritt weitergebracht. Denn solange die direkten Konkurrenten, wie Freiburg gegen Schalke, gegen ähnliche Kaliber punkten, kann auch eine gute Leistung in Bremen kein Schritt in die richtige Richtung sein. Es ist allenfalls ein Schritt auf der Stelle. Positiv ist vor allem, dass die Neuzugänge einschlagen, wenngleich das Spiel zehn Minuten vor Schluß unentschieden gehalten werden muss. Das späte Gegentor bricht letztendlich das Berliner Genick. Bizarre daran ist, dass die Berliner regulär durch Gekas in Führung gehen, der Schiedsrichter jedoch Abseits pfeift. Wenn man einmal unten drin ist,…
Ein Kommunikationsproblem soll das Ganze also gewesen sein. Interessant. Was die Herren Löw, Bierhoff und Zwanziger Anfang Dezember geritten hat, einen Handschlagsvertrag zu verkünden, weiß niemand. Denn auch wenn lediglich Zwanziger vor die Presse trat, gab es weder von Löw noch von Bierhoff irgendeine Form von Dementi. Dass man sich im Nachhinein "unter Druck gesetzt" fühlte, erscheint nur schwierig glaubhaft angesichts der fehelenden Stellungnahme gegen das "Missverständnis" im Dezember. Seis drum. Die Nationalmannschaft war auf einem guten Weg zur WM 2010 in Südafrika und hat sich nun selbst – in Form des Präsidiums und den Verantwortlichen – eine hohe Hürde auf die Bahn gestellt. Um zu wissen, dass solche Reibereien unheimlich belastend sind (besonders für das labile psychologische Gemüt einen Leistungssportlers), brauch man keine Experten, die momentan wie Pilze aus dem Boden schießen und dann alle das Selbe sagen. Klar wird es nicht leichter. Und man muss sich fragen, ob es nicht, entgegen der nun verkündeten Aufschiebung der Verhandlungen bis nach der Weltmeisterschaft, besser wäre, man säße sich noch vor den Titelspielen zusammen, um zu einer vernünftigen Lösung zu kommen. Viel kann es nun nicht zu bereden geben, wenn man sowieso schon über Millionengehälter verfügt.
Einen netten – von neutraler Seite, vollkommen ironischen – Unterton brachte "Der Tiger" in die Diskussion. Im Bezahl-Fernsehen äußerte sich Stefan Effenberg an der Seite von Oliver Bierhoff sitzend äußerst interessant. Der ehemalige Bundesligastar betonnte, dass es für ihn absolut unverständlich sei, dass überhaupt weiter verhandelt werden müsse, da er, sobald ihm irgendein Posten in der Nationalmannschaft angeboten würde, blind unterschreiben würde ohne groß darüber zu verhandeln ("Das regelt sich dann alles schon"). Stefan Effenberg in Topform. Ein wenig populistisch, aber die Älteren werden wissen, dass im Puncto Nationalmannschaft bei Stefan Effenberg noch ein Stachel sitzt. Tiefer als man hätte vermuten können. Stinkefingertief.
Die Fußball Kolumne Bulissimo! erscheint jeden Dienstag und befasst sich mit der Bundesliga, aktuellen Stammtischthemen des Fußballs und Kuriositäten rund um den Lederball.
Schlagwörter:1. Bundesliga, Bierhoff, Bulissimo, Effenberg, Hertha BSC Berlin, Löw, SV Werder Bremen, Zwanziger

















