(22) Bulissimo! Ein unmoralisches Angebot
29. Dezember 2009 / joe
Einst waren sie ein hoffnungsvolles Innenverteidiger-Pärchen in der Nationalmannschaft und nicht wenige hatten die beiden Friedrichs als zukunftsträchige Nationalspieler im Sinn. Heute ist das anders. Manuel Friedrichs Chancen auf die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika erscheinen verschwindend gering. Sein Namensvetter aus Berlin hat deutlich bessere Chancen. Dass er beim Gipfeltreffen im Sommer an Bord sein wird, steht außer Frage, jedoch darf spekuliert werden, ob Friedrich bei der WM auch wirklich "mirwirken" wird. Der Berliner Verteidiger ist ein Defensiv-Allrounder. Jemand, den man gerne dabei hat, weil er überall spielen kann. Genau das könnte das Problem werden. Ähnlich ging es Tim Borowski eine Zeit lang.
Aktuell trennen die Friedrichs in der Bundesliga so viele Punkte wie nie zuvor. Während Arne Friedrich Kapitän des Tabellenletzten, Hertha BSC Berlin, ist, genießt Manuel Friedrich mit Bayer Leverkusen den Platz an der sonnigen Tabellenspitze. Momentan schreiben die Beiden also verschiedene Schlagzeilen. Der eine etwas ruhigere als der andere. So hat Manuel Friedrich seinen Vertrag über die Weihnachtsfeiertage bei Bayer Leverkusen verlängert. Weitere drei Jahre – bis 2013 – wird der Innenverteidiger für die Werkself kicken. Schlagzeilenträchtiger ist der Wirbel um den Berliner Friedrich.
Alles beginnt mit der Verpflichtung von Dieter Honeß durch den VfL Wolfsburg. Honeß, der während seiner längjährigen Tätigkeit in Berlin Arne Friedrich nicht nur von Arminia Bielefeld an die Spree lotste, sondern auch menschlich sehr gut mit dem Kapitän der Hertha zurecht kam, unterbreitete dem Hauptstadtclub schnell ein Angebot für Friedrich. Da es sich um ein besonderes – man könnte sogar sagen "unmoralisches" – Angebot handelt, wird nun in Berlin heftig diskutiert. Die Wolfsburger bieten angeblich 8 Millionen Euro für den Berliner Kapitän. Eine Summe, die der verschuldeten Hertha (etwas mehr als 30 Millionen Schulden) gut tun würde.Vorausgesetzt dieses Angebot existiert wirklich, stellt sich in Berlin nun jeder einzelne die Frage: Verkaufen oder behalten?
Mit acht Millionen Euro könnte man auch qualitativ den Kader für die Rückrunde auffrischen. Eventuell einen Voronin wieder ausleihen? Auf der anderen Seite muss bedacht werden, dass gerade qualitativ ein großes Fundament der Berliner Abwehr wegbrechen würde. Ein Punkt, der an den Berliner Stammtischen intensiv diskutiert wird. Tatsächlich gibt es Stimmen, die behaupten Friedrich würde in der Saison zu leise und nicht aggressiv genug auftreten und als Kapitän sei er im Abstiegskampf sowieso nicht der richtige. Außerdem habe er selbst genug Wackler im eigenen Spiel. Ganz Unrecht haben sie nicht – auch objektiv nicht. Denn Berlin stand ohne Friedrich auf Schalke (0:2) solide und überzeugte auch gegen Leverkusen (2:2). In der Europa League konnte sogar zwei Mal zu Null gewonnen werden (Ventpils (1:0), Sporting Lissabon (1:0)). Als Friedrich zurückkam, hagelte es prompt fünf Gegentore in München (2:5). Ob gerade Ventpils und Lissabon, das mit einer besseren B-Elf in Berlin auflief, für solche Beobachtungen die richtigen Gegner sind, bleibt an dieser Stelle offen.
Im Allgemeinen sollte Friedrich die Klasse haben, um die Berliner Abwehr zu stabilisieren. Ob mit acht Millionen auf dem Wintertransfermarkt entscheidene Spieler verpflichtet werden können, erscheint fraglich. Fakt ist, dass Friedrich deutlich weniger (ca. die Hälfte) Wert ist. Im Sommer hatten die Berliner Verantwortlichen eine ähnliche Anfrage auf dem Tisch liegen: Sieben Millionen für Josip Simunic. Damals entschied man sich falsch. Haben die Berliner aus ihren Fehlern gelernt?
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Schlagwörter: 1. Bundesliga, Arne Friedrich, Bayer Leverkusen, Bulissimo, Hertha BSC Berlin, Manuel Friedrich





