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(10) Bulissimo! Deutschland, deine Form


7. Oktober 2009 / joe

Das entscheidene Spiel kommt immer näher. In keiner Qualifikationsgruppe haben es zwei Spitzenmannschaften geschafft, nahezu makellos bis zum Höhepunkt zu kommen. Das Duell in Moskau zwischen Deutschland und Russland bedeutet alles in dieser Gruppe. Der Verlierer wird sich wohl mit Platz Zwei zufrieden geben müssen. Sicherlich verfügen beide Nationalmannschaften über ausreichend Klasse, um gegen alle anderen Tabellenzweiten - mit Ausnahme von Frankreich – in die Favoritenrolle zu schlüpfen, jedoch will niemand dieses Risiko eingehen. Schnell ist man durch eine frühe Rote Karte oder Ähnliches gehandicapt und vergeigt dann in ein paar Minuten die Arbeit eines ganzen Jahres. Es genügt ein schlechter Tag, ein Aussetzer der Hintermannschaft oder eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters. Die wahre Chance sich diesem Glücksspiel nicht stellen zu müssen hat die deutsche Nationalmannschaft am Samstag, den 10. Oktober in Moskau.
Eine deutsche Nationalmannschaft ist in der Regel in solchen Spielen topfit und in Topform. Inwiefern das momentan auf unsere Hoffnungsträger zutrifft, erscheint fraglich:

Rene Adler:
Es ist zu erwarten, dass der Leverkusener wieder im Tor steht. Der Torwart des Tabellenführers der Bundesliga hat an den letzten drei Spieltagen kein Gegentor bekommen und hielt schon insgesamt fünf Mal seinen Kasten sauber. Fünf Gegentreffer in acht Spielen sind eine beachtliche Statistik.

Philipp Lahm:
Der gesetzte Münchener ist in Abwesenheit von van Bommel Kapitän der Bayern und erfüllt seinen Job hervorragend. Auch im letzten Spiel gegen Köln war der kleine Außenverteidiger der beste Münchener und strotzte dem bayrischen Schlendrian. Seine Konstanz ist in der Weltspitze selten zu finden.

Per Mertesacker:
In der Innenverteidigung eine weitere feste Größe in der deutschen Abwehr. Die Abwehrreihe von Werder Bremen hat sich enorm verbessert gegenüber der des letzten Jahres. In den letzten fünf Spielen musste man nur zwei Gegentore hinnehmen. Beim Bremer Höhenflug fliegt auch Mertesacker mit.

Jerome Boateng:
Die Hamburger haben sich wieder gefunden und Boateng auch. Allerdings hat der HSV seine Unerfahrenheit in Wien teuer bezahlen müssen. Dass Löw das Risiko eingeht einen so jungen Spieler in Moskau debütieren zu lassen ist unwahrscheinlich.

Heiko Westermann:
Nach der Absage von Serdar Tasci ist ein Einsatz von Heiko Westermann sehr wahrscheinlich. Der Schalker übernimmt bei seinem Club viel Verantwortung und absolviert gute Spiele. Jedoch waren seine letzten Länderspiel-Auftritte unglücklich. Außerdem spricht gegen ihn, dass er im Verein meist nicht in der Innenverteidigung aufgeboten wird, sondern im Mittelfeld.

Marcel Schäfer:
Ähnlich verhält es sich mit dem Wolfsburger Marcel Schäfer. Auch Schäfer wird im Verein häufig im Mittelfeld aufgeboten. Seine Stärken liegen – das zeigten auch seine bisherigen Länderspiele – eindeutig in der Offensive. Der Defensiv-Zweikampf auf der Außenverteidigerposition, zum Beispiel gegen Arshavin, sollte aus deutscher Sicht vermieden werden.

Arne Friedrich:
Seine persönliche Form ist extrem schwierig einzuschätzen, da er im Verein momentan von sehr vielen Spielern im Formtief umgeben ist. Am Wochenende war er erfolgreich und konnte per Kopf das Führungstor für Berlin erzielen. Sein Verein ist Tabellenletzter, spielt zwar immer besser, aber erfolglos. Das Trainergeschick von Jogi Löw wird erkennen müssen wie hoch das Risiko eines Friedrich-Einsatzes ist.

Andreas Beck:
Vermutlich eine Alternative für die Außenverteidigerposition. Jedoch ist auch er noch sehr unerfahren. Momentan nicht unbedingt in Bestform. Beide Gegentore am Wochenende fielen über seine Abwehrseite. Beim zweiten Tor sah er äußerst schlecht aus.

Michael Ballack:
War angeschlagen, konnte aber am Wochenende wieder 90 Minuten durchspielen. Gehört zu den formstärksten deutschen Spielern. Ballack hat nicht nur einen hervorragenden Saisonstart mit Chelsea London hingelegt, sondern konnte auch persönlich überzeugen und seine Torgefahr einige Male unter Beweis stellen.

Thomas Hitzelsberger:
Er ist sicherlich einer der besten Stuttgarter momentan, allerdings bringt er aus seinem Verein eine handfeste Krise mit. Sein Fall ähnelt dem von Arne Friedrich. Hitzelsberger ist im defensiven Mittelfeld sowieso umstritten, da sowohl Rolfes als auch Frings aktuell deutlich besser spielen als er. Außerdem ist der Qualitätsunterschied zwischen Ballack, Özil – beide in Topform -  und Hitzelsberger eklatant.

Mesut Özil:
Sein Debüt und seine entsprechend gute Form haben Jogi Löw neue taktische Möglichkeiten in die Hände gelegt. Es ist nun möglich mit einer Zehn bzw. einem hängenden Stürmer zu spielen. War zu Saisonbeginn sehr erfolgreich und konnte auch in der Nationalmannschaft überzeugen, obgleich das letzte Spiel gegen Aserbaidschan nicht unbedingt sein bestes war. Eine etwas defensivere Ausrichtung mit einem Mann mehr im Mittelfeld und nur einem vollwertigen Stürmer gilt als wahrscheinlich. Daher wird Özils gute Form zu tragen kommen.

Simon Rolfes:
Führt sein Team an die Tabellenspitze und ragt in einer guten Leverkusener Mannschaft immer wieder heraus. Markierte wichtige Treffer gegen Köln und Nürnberg. Zweifelsohne in Topform. Sein Spiel ähnelt immer mehr das des jungen Michael Ballack.

Bastian Schweinsteiger:
Wurde von Louis van Gaal bei den Bayern zuletzt taktisch etwas zurückgezogen, um mehr Ballkontakte zu haben. Würde in der Nationalmannschaft offensiver zum Zuge kommen. Schweinsteiger ist noch auf der Suche nach seiner Form, hat unter Löw allerdings noch Kredit.

Piotr Trochowski:
Wurde gegen Berlin nach einer Stunde nur eingewechselt. Hatte nicht mehr viel mit dem Spiel zu tun. Der Hamburger ist sicherlich nicht im Formtief, allerdings kann auch nicht von einem Hoch gesprochen werden. Leicht negative Tendenz.

Marko Marin:
Wird bei entsprechendem Spielverlauf sicherlich eingewechselt. Spielt bei Bremen an der Seite von Mesut Özil eine hervorragende Saison. Hatte zwar zu Beginn Schwierigkeiten, konnte dann aber in Bremen Fuß fassen. Die Vorarbeit zum Führungstor in Stuttgart zeigt seine Verfassung: Topform.

Mario Gomez:
Mit Mario Gomez beginnt die Abteilung "immer bemüht" in der deutschen Nationalmannschaft. Die Stürmer versprühen eher durch ihre Namen oder Ablösesummen Angst und Schrecken als durch ihre Form. Gomez wurde gegen Köln eingewechselt und kämpfte. Das war aber auch alles. Wirkt unsicher, hat aktuell viele technische Fehler im Spiel.

Miroslav Klose:
Ein weiterer Baustein im bayrischen Krisenkabinett. Ist stets bemüht und war durchaus ein belebendes Element in der müden münchener Offensive. Leider ist der Mittelstürmer, der bislang noch ohne Torerfolg in der neuen Spielzeit ist, momentan nur Durchschnitt. Hoffnungsschimmer: Klose erzielte drei Tore in den letzten drei Spielen mit dem Adler auf der Brust.

Lukas Podolski:
Seine Person könnte Opfer taktischer Umstellungen werden. In einem 4-5-1 System wird für den Kölner höchstwahrscheinlich kein Platz sein. Vielleicht greift Löw auf die Lösung der EM zurück. Dort spielte Podolski einen offensiven linken Mittelfeldmann. Seine Formkurve zeigt deutlich nach oben. War schwach gestartet, etnwickelte sich aber immer besser. Spielte gegen München gut.

Fazit:
Die erste Elf ist eine Zweiklassengesellschaft: Die Einen befinden sich vor dem Spitzenspiel in Moskau in Topform, die Anderen bringen einen handfeste Krise aus ihren Vereinen mit. Es liegt an Bundestrainer Joachim Löw die richtige Mischung zu finden – an Zutaten sollte es nicht fehlen.

Die Fußball Kolumne Bulissimo! erscheint jeden Dienstag und befasst sich mit der Bundesliga, aktuellen Stammtischthemen des Fußballs und Kuriositäten rund um den Lederball.









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